1. Einleitung 1.1 Motivation und Problemstellung Der stationäre Buchhandel befindet sich seit mehreren Jahren in einem tiefgreifenden strukturellen Wandel. Das Kaufverhalten vieler Kundinnen und Kunden verlagert sich zunehmend in den digitalen Raum, während insbesondere kleine, inhabergeführte Buchhandlungen häufig über keine oder nur sehr eingeschränkte digitale Vertriebsmöglichkeiten verfügen. Diese Entwicklung stellt eine erhebliche Herausforderung für den Fortbestand lokaler Buchhandlungen dar und lässt sich auch anhand statistischer Daten nachvollziehen. Während der Online-Buchhandel weiterhin stabile bis wachsende Umsätze verzeichnet, ist die Anzahl stationärer Bucheinzelhändler in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank die Zahl der umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen im Bucheinzelhandel innerhalb von fünf Jahren um rund 24 %, was den zunehmenden wirtschaftlichen Druck auf physische Ladengeschäfte verdeutlicht (vgl. [6]). Parallel dazu konnte der Online-Buchhandel seinen Marktanteil weiter ausbauen und erreichte im Jahr 2023 einen Anteil von etwa 24 % am Gesamtmarkt (vgl. [7]). Diese Entwicklung zwingt den stationären Handel dazu, neue Wege der Kundenansprache und -bindung zu erschließen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Digitale Zusatzangebote wie die Online-Suche nach verfügbaren Titeln, Reservierungsfunktionen im Sinne von „Click & Collect“ oder transparente Bestellprozesse werden von Kundinnen und Kunden zunehmend als selbstverständlich wahrgenommen. Für kleine Buchhandlungen stellt der Einstieg in den Online-Handel jedoch häufig eine organisatorische und technische Hürde dar. Insbesondere sogenannte Kleinstunternehmen („Micro-Enterprises“) verfügen oftmals weder über die finanziellen noch über die personellen Ressourcen, um komplexe E-Commerce-Systeme einzuführen und dauerhaft zu betreiben. Am Markt verfügbare Lösungen bieten hierfür nur bedingt geeignete Ansätze: Mietbasierte E-Commerce-Plattformen im Sinne von Software-as-a-Service verursachen laufende Fixkosten und führen zu einer starken Abhängigkeit von externen Anbietern, während individuell entwickelte Softwarelösungen in vielen Fällen mit hohen Initialkosten verbunden sind. Der konkrete Impuls für diese Arbeit entstand aus einem persönlichen Austausch auf einer Buchmesse. In einem Gespräch schilderte der Inhaber einer kleinen, stationären Buchhandlung anschaulich die Schwierigkeiten, sich im aktuellen Marktumfeld gegenüber großen Online-Anbietern zu behaupten. Dabei wurde insbesondere der Wunsch nach einer kosteneffizienten technischen Lösung deutlich, mit der das eigene Sortiment auch digital sichtbar gemacht werden kann. Ausgehend von dieser Problemstellung entstand die Idee, eine maßgeschneiderte Webanwendung zu konzipieren, die gezielt auf die Bedürfnisse kleiner Buchhandlungen zugeschnitten ist und digitale Sichtbarkeit mit technischer Unabhängigkeit verbindet. 1.2 Zielsetzung Ziel dieser Bachelorarbeit ist die Konzeption und prototypische Implementierung eines webbasierten Verkaufsportals, das speziell auf die Anforderungen kleiner, inhabergeführter Buchhandlungen ausgerichtet ist. Die entwickelte Webanwendung soll Kundinnen und Kunden die Möglichkeit bieten, Bücher online zu suchen und Bestellungen aufzugeben, während der Buchhändler sein Sortiment sowie eingehende Bestellungen eigenständig verwalten kann. Im Gegensatz zu klassischen Baukasten- oder Mietlösungen verfolgt diese Arbeit einen individuell entwickelten Ansatz. Durch den Einsatz moderner Webtechnologien auf Basis von TypeScript sowie einer Monorepo-Architektur mit geteilten Typdefinitionen („Shared Types“) soll eine durchgängige Typsicherheit zwischen Frontend und Backend realisiert werden. Ziel ist es, Fehlerquellen bereits während der Entwicklungsphase zu minimieren und dadurch eine wartungsarme und langfristig kosteneffiziente Lösung bereitzustellen, die eine technische Alternative zu bestehenden E-Commerce-Plattformen darstellt. 1.3 Aufbau der Arbeit Die Bachelorarbeit ist in sieben Kapitel gegliedert. Kapitel 2 vermittelt die theoretischen und technischen Grundlagen der Arbeit. Dabei werden moderne Webanwendungsarchitekturen erläutert und die eingesetzten Technologien vorgestellt. Kapitel 3 widmet sich der Anforderungsanalyse, in der sowohl funktionale als auch nicht-funktionale Anforderungen an das System definiert werden. In Kapitel 4 wird der konzeptionelle Entwurf des Verkaufsportals beschrieben, wobei der Fokus auf der Systemarchitektur und dem Datenmodell liegt, das durch den Einsatz geteilter Typdefinitionen eine Konsistenz zwischen Frontend und Backend sicherstellt. Kapitel 5 dokumentiert die technische Umsetzung des Prototyps und erläutert zentrale Entwurfs- und Implementierungsentscheidungen. Kapitel 6 befasst sich mit der Verifizierung und Validierung des Systems anhand funktionaler Tests sowie einer Analyse der Code-Qualität. Den Abschluss der Arbeit bilden ein Fazit sowie ein Ausblick auf mögliche Erweiterungen in Kapitel 7. 2. Grundlagen und Stand der Technik Dieses Kapitel schafft die theoretische Grundlage für die spätere Konzeption und Umsetzung des Verkaufsportals. Dabei werden wirtschaftliche und konzeptionelle Aspekte des elektronischen Handels betrachtet, die insbesondere für kleine, inhabergeführte Buchhandlungen relevant sind. Ziel ist es, zentrale Konzepte einzuordnen, die den Einsatz moderner webbasierter Vertriebslösungen nachvollziehbar begründen. 2.1 E-Commerce-Grundlagen für kleine Unternehmen Der Einsatz elektronischer Vertriebskanäle hat sich in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil unternehmerischer Tätigkeit entwickelt. Für viele Unternehmen ist der elektronische Handel inzwischen eine grundlegende Voraussetzung, um dauerhaft am Markt bestehen zu können (vgl. [1]). Für kleine, inhabergeführte Buchhandlungen stellt sich die Situation jedoch anders dar als für große Handelsunternehmen. Während große Anbieter über spezialisierte Strukturen und umfangreiche Ressourcen verfügen, sind kleinere Betriebe häufig mit deutlich eingeschränkten finanziellen und organisatorischen Möglichkeiten konfrontiert (vgl. [3]). Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, die Grundlagen des E-Commerce sowie die besonderen Rahmenbedingungen kleiner Unternehmen näher zu betrachten. 2.1.1 Definition und Abgrenzung Im Kontext dieser Arbeit wird E-Commerce als die Nutzung digitaler Netzwerke zur Unterstützung und Abwicklung von Verkaufs- und Transaktionsprozessen verstanden. Dabei liegt der Fokus auf externen, marktorientierten Aktivitäten zwischen Unternehmen und Kunden (vgl. [1]). Davon abzugrenzen ist der weiter gefasste Begriff des E-Business. Dieser umfasst neben dem digitalen Vertrieb auch interne Unternehmensprozesse wie Organisation, Kommunikation oder Beschaffung. Für kleine Buchhandlungen ist diese Unterscheidung von praktischer Relevanz, da umfassende E-Business-Lösungen häufig einen organisatorischen und technischen Aufwand erfordern, der im Verhältnis zum Unternehmensumfang nicht sinnvoll erscheint (vgl. [1]). Darüber hinaus wird der elektronische Handel zunehmend nicht mehr isoliert betrachtet. Digitale und stationäre Vertriebskanäle greifen immer stärker ineinander und bilden hybride Verkaufsmodelle, bei denen Kunden digitale Informationsangebote mit physischen Einkaufsmöglichkeiten kombinieren (vgl. [1]). 2.1.2 Marktdynamik und Customer Journey Die Wettbewerbsbedingungen im Handel werden maßgeblich durch die Entwicklung der digitalen Ökonomie geprägt. Unternehmen ohne digitale Präsenz verlieren zunehmend an Sichtbarkeit, da Kaufentscheidungen häufig bereits in frühen Phasen online vorbereitet werden (vgl. [2]). Die Customer Journey verläuft dabei meist kanalübergreifend. Kunden informieren sich online über Produkte, Preise oder Verfügbarkeiten, unabhängig davon, ob der eigentliche Kauf später online oder im stationären Geschäft erfolgt. Erwartet wird dabei eine konsistente Nutzererfahrung über alle Kontaktpunkte hinweg (vgl. [2]). Diese Erwartungen werden insbesondere durch große Online-Plattformen geprägt, die durch standardisierte Such- und Bestellprozesse den Maßstab für Benutzerfreundlichkeit setzen. Kleine Händler geraten dadurch unter Druck, vergleichbare Funktionen anzubieten, ohne über ähnliche Ressourcen zu verfügen (vgl. [2]). 2.1.3 Spezifische Herausforderungen für KMU Kleine und mittlere Unternehmen unterscheiden sich strukturell deutlich von großen Handelskonzernen. Zentrale Herausforderungen bestehen insbesondere in begrenzten finanziellen Mitteln, fehlendem Fachpersonal und eingeschränkten zeitlichen Kapazitäten für digitale Projekte (vgl. [3]). Hinzu kommt, dass technische Systeme in kleinen Betrieben häufig ohne spezialisierte ITUnterstützung betrieben werden müssen. Komplexe oder wenig intuitive Anwendungen können daher schnell zu Überforderung führen und die Akzeptanz digitaler Lösungen negativ beeinflussen (vgl. [3]). Daraus ergibt sich für diese Arbeit die Anforderung, eine technische Lösung zu entwickeln, die funktional leistungsfähig ist, gleichzeitig jedoch eine einfache Bedienbarkeit und Wartbarkeit gewährleistet. 2.1.4 Strategische Lösungsansätze: ROPO und Cross-Channel Die Literatur zeigt, dass kleine Händler ihre Wettbewerbsfähigkeit insbesondere durch die Verbindung digitaler und stationärer Stärken verbessern können. Ein zentrales Konzept ist dabei der ROPO-Effekt, bei dem Kunden Produkte online recherchieren, den Kauf jedoch bewusst im stationären Geschäft abschließen (vgl. [1]). Digitale Verkaufssysteme können diesen Effekt unterstützen, indem sie Informationen zum Sortiment bereitstellen und Verfügbarkeiten transparent machen. Ergänzend ermöglichen Click-&-Collect-Modelle eine enge Verzahnung von Online-Bestellung und Abholung vor Ort. Dadurch entsteht ein Cross-Channel-Ansatz, der digitale Bequemlichkeit mit persönlichem Service verbindet (vgl. [1]). (Quellen-Zuordnung) رقم المصدر ماذا استخدمنا منه؟ [1] Deges تعريفE-Commerce ،Abgrenzung zu E-Business ،Hybrid-/CrossChannel ،ROPO [2] HaasKotzegger Digitale Ökonomie ،Customer Journey ،Plattform-Dominanz [3] Mülder et al. Ressourcenprobleme ،KMU-Herausforderungen ،fehlendes Know-how 2.2 Webanwendungen Architektur Moderne Webanwendungen basieren auf durchdachten Architekturmodellen, die eine klare Strukturierung und Zuordnung von Aufgaben innerhalb eines Systems ermöglichen. Eine gut konzipierte Architektur bildet die Grundlage für zentrale Qualitätsmerkmale wie Wartbarkeit, Erweiterbarkeit und Sicherheit einer Anwendung. Gleichzeitig ist Softwarearchitektur nicht als statisches Konstrukt zu verstehen, sondern unterliegt einem kontinuierlichen Wandel. Insbesondere technologische Entwicklungen wie DevOps-Praktiken und Open-SourceÖkosysteme beeinflussen architektonische Entscheidungen und Definitionen nachhaltig. Diese Dynamik ist vor allem bei webbasierten Verkaufssystemen von hoher Relevanz, da solche Anwendungen häufig durch intensive Nutzerinteraktionen sowie sich verändernde fachliche Anforderungen gekennzeichnet sind (vgl. Richards & Ford, 2020; Bass et al., 2021). Ein zentrales Architekturprinzip moderner Webanwendungen ist das Client-Server-Modell. Dabei übernimmt der Client, in der Regel ein Webbrowser, die Darstellung der Benutzeroberfläche sowie die Erfassung von Benutzereingaben. Die Serverseite ist hingegen für die Verarbeitung dieser Eingaben, die Ausführung der Geschäftslogik und den Zugriff auf persistente Datenbestände verantwortlich. Wie in den MDN Web Docs (2024a) erläutert, erfolgt die Kommunikation zwischen Client und Server über standardisierte Webprotokolle wie HTTP oder HTTPS. Die Aufgabenverteilung zwischen Client und Server ermöglicht eine modulare Systemarchitektur, in der einzelne Komponenten unabhängig voneinander angepasst oder erweitert werden können. Änderungen an einzelnen Systemteilen lassen sich dadurch realisieren, ohne das Gesamtsystem wesentlich zu beeinflussen. Zudem unterstützt dieses Architekturmodell die Skalierbarkeit von Webanwendungen, da serverseitige Ressourcen bei steigender Nutzerzahl oder Last gezielt erweitert werden können (vgl. Bass et al., 2021). Innerhalb des Client-Server-Ansatzes wird üblicherweise zwischen Frontend und Backend unterschieden. Das Frontend umfasst alle Komponenten, die im Browser der Nutzer:innen ausgeführt werden und unmittelbar mit ihnen interagieren. Es ist primär für die visuelle Darstellung von Inhalten sowie für die Benutzerführung verantwortlich. Wie in den MDN Web Docs (2024b) beschrieben, liegt der Fokus dabei auf einer verständlichen Aufbereitung der Informationen und einer möglichst intuitiven Bedienbarkeit. Das Backend bildet die serverseitige Anwendungsschicht und stellt die funktionale Basis des Systems dar. Es verarbeitet Anfragen des Frontends, implementiert die fachliche Logik, stellt Programmierschnittstellen bereit und verwaltet den Zugriff auf Datenbanken oder externe Dienste. Durch die klare Abgrenzung zwischen Frontend und Backend wird die Wartbarkeit des Systems verbessert und die Integration zusätzlicher Funktionalitäten, etwa von Zahlungs- oder Versanddiensten, erleichtert (vgl. Richards & Ford, 2020). Darüber hinaus lassen sich Webanwendungen anhand ihres Navigations- und RenderingVerhaltens klassifizieren. Klassische Multi-Page-Applications (MPA) laden bei jeder Benutzeraktion eine neue HTML-Seite vom Server. Dieses Architekturkonzept ist vergleichsweise einfach zu implementieren, kann jedoch zu erhöhten Ladezeiten und einer weniger flüssigen Benutzererfahrung führen, wie Google Web Fundamentals (2023) darstellt. Single-Page-Applications (SPA) verfolgen demgegenüber ein alternatives Architekturkonzept. Die Grundstruktur der Anwendung wird einmal geladen, zusätzliche Inhalte folgen bei Bedarf dynamisch und asynchron. Seitenwechsel erfolgen somit ohne einen vollständigen Neuaufbau der Seite, was zu einer reaktionsschnellen und konsistenten Nutzererfahrung beiträgt. Laut den MDN Web Docs (2024c) werden SPA-Architekturen daher insbesondere bei interaktiven Webanwendungen wie Online-Shops oder administrativen Plattformen eingesetzt. Zusammenfassend stellen moderne Webarchitekturen, die auf einer klaren Trennung von Client und Server sowie von Frontend und Backend basieren, eine wesentliche Grundlage für leistungsfähige und wartbare Webanwendungen dar. Gerade im E-Commerce-Umfeld tragen diese Architekturprinzipien dazu bei, sowohl eine hohe Benutzerfreundlichkeit als auch die technische Weiterentwickelbarkeit eines Systems sicherzustellen. Die dargestellten Konzepte bilden somit die theoretische Basis für die in den folgenden Kapiteln beschriebene Konzeption und Umsetzung des Verkaufsportals. Moderne Webanwendungen basieren auf durchdachten Architekturmodellen, die eine klare Strukturierung und Zuordnung von Aufgaben innerhalb eines Systems ermöglichen. Eine gut konzipierte Architektur bildet die Grundlage für zentrale Qualitätsmerkmale wie Wartbarkeit, Erweiterbarkeit und Sicherheit einer Anwendung. Gleichzeitig ist Softwarearchitektur nicht als statisches Konstrukt zu verstehen, sondern unterliegt einem kontinuierlichen Wandel. Insbesondere technologische Entwicklungen wie DevOps-Praktiken und Open-SourceÖkosysteme beeinflussen architektonische Entscheidungen und Definitionen nachhaltig. Diese Dynamik ist vor allem bei webbasierten Verkaufssystemen von hoher Relevanz, da solche Anwendungen häufig durch intensive Nutzerinteraktionen sowie sich verändernde fachliche Anforderungen gekennzeichnet sind (vgl. [1], [2]). Ein zentrales Architekturprinzip moderner Webanwendungen ist das Client-Server-Modell. Dabei übernimmt der Client, in der Regel ein Webbrowser, die Darstellung der Benutzeroberfläche sowie die Erfassung von Benutzereingaben. Die Serverseite ist hingegen für die Verarbeitung dieser Eingaben, die Ausführung der Geschäftslogik und den Zugriff auf persistente Datenbestände verantwortlich. Die Kommunikation zwischen Client und Server erfolgt über standardisierte Webprotokolle wie HTTP oder HTTPS (vgl. [3]). Die Aufgabenverteilung zwischen Client und Server ermöglicht eine modulare Systemarchitektur, in der einzelne Komponenten unabhängig voneinander angepasst oder erweitert werden können. Änderungen an einzelnen Systemteilen lassen sich dadurch realisieren, ohne das Gesamtsystem wesentlich zu beeinflussen. Zudem unterstützt dieses Architekturmodell die Skalierbarkeit von Webanwendungen, da serverseitige Ressourcen bei steigender Nutzerzahl oder Last gezielt erweitert werden können (vgl. [2]). Innerhalb des Client-Server-Ansatzes wird üblicherweise zwischen Frontend und Backend unterschieden. Das Frontend umfasst alle Komponenten, die im Browser der Nutzer:innen ausgeführt werden und unmittelbar mit ihnen interagieren. Es ist primär für die visuelle Darstellung von Inhalten sowie für die Benutzerführung verantwortlich. Ziel ist eine verständliche Aufbereitung der Informationen und eine intuitive Bedienbarkeit (vgl. [4]). Das Backend bildet die serverseitige Anwendungsschicht und stellt die funktionale Basis des Systems dar. Es verarbeitet Anfragen des Frontends, implementiert die fachliche Logik, stellt Programmierschnittstellen bereit und verwaltet den Zugriff auf Datenbanken oder externe Dienste. Durch die klare Abgrenzung zwischen Frontend und Backend wird die Wartbarkeit des Systems verbessert und die Integration zusätzlicher Funktionalitäten erleichtert (vgl. [1]). Darüber hinaus lassen sich Webanwendungen anhand ihres Navigations- und RenderingVerhaltens klassifizieren. Klassische Multi-Page-Applications (MPA) laden bei jeder Benutzeraktion eine neue HTML-Seite vom Server. Dieses Architekturkonzept ist vergleichsweise einfach zu implementieren, kann jedoch zu erhöhten Ladezeiten und einer weniger flüssigen Benutzererfahrung führen (vgl. [5]). Single-Page-Applications (SPA) verfolgen demgegenüber ein alternatives Architekturkonzept. Die Grundstruktur der Anwendung wird einmal geladen, zusätzliche Inhalte folgen bei Bedarf dynamisch und asynchron. Seitenwechsel erfolgen somit ohne einen vollständigen Neuaufbau der Seite, was zu einer reaktionsschnellen und konsistenten Nutzererfahrung beiträgt. Aufgrund dieser Eigenschaften werden SPA-Architekturen insbesondere bei interaktiven Webanwendungen wie Online-Shops oder administrativen Plattformen eingesetzt (vgl. [6]). Zusammenfassend stellen moderne Webarchitekturen mit ihrer klaren Trennung von Client und Server sowie von Frontend und Backend eine wesentliche Grundlage für leistungsfähige und wartbare Webanwendungen dar. Gerade im E-Commerce-Umfeld tragen diese Architekturprinzipien dazu bei, sowohl eine hohe Benutzerfreundlichkeit als auch die technische Weiterentwickelbarkeit eines Systems sicherzustellen. Die dargestellten Konzepte bilden somit die theoretische Basis für die in den folgenden Kapiteln beschriebene Konzeption und Umsetzung des Verkaufsportals. [1] Richards, M., & Ford, N. (2020). Fundamentals of software architecture: An engineering approach. O’Reilly Media. [2] Bass, L., Clements, P., & Kazman, R. (2021). Software architecture in practice (4th ed.). Addison-Wesley. [3] Mozilla Developer Network. (2024a). Client-server overview. https://developer.mozilla.org/ [4] Mozilla Developer Network. (2024b). Front-end web development. https://developer.mozilla.org/ [5] Google. (2023). Web application architecture. Google Web Fundamentals. [6] Mozilla Developer Network. (2024c). Single-page applications. https://developer.mozilla.org/ 2.2 Webanwendungsarchitekturen und Technologien Die Auswahl einer geeigneten Webanwendungsarchitektur stellt eine zentrale Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung moderner E-Commerce-Plattformen dar. Architekturentscheidungen beeinflussen maßgeblich qualitative Eigenschaften eines Systems, darunter Wartbarkeit, Erweiterbarkeit und Skalierbarkeit. Gleichzeitig ist Softwarearchitektur nicht als statisches Konstrukt zu verstehen, sondern unterliegt einem kontinuierlichen Wandel, der durch technologische Entwicklungen, neue Paradigmen der Softwareentwicklung sowie veränderte Nutzungsanforderungen geprägt ist. Diese Dynamik ist insbesondere bei webbasierten Verkaufssystemen von hoher Relevanz, da diese durch intensive Nutzerinteraktionen und eine hohe Änderungsfrequenz fachlicher Anforderungen gekennzeichnet sind (vgl. [1]). Ein grundlegendes Architekturprinzip moderner Webanwendungen ist das Client-ServerModell. In diesem Modell übernimmt der Client, typischerweise ein Webbrowser, die Darstellung der Benutzeroberfläche sowie die Interaktion mit den Nutzenden. Die serverseitige Anwendung ist hingegen für die Verarbeitung von Anfragen, die Umsetzung der Geschäftslogik sowie den Zugriff auf persistente Datenbestände verantwortlich. Die Kommunikation zwischen Client und Server erfolgt über standardisierte Protokolle, wodurch eine lose Kopplung der Systemkomponenten erreicht wird (vgl. [2]). Die klare Trennung zwischen Client und Server ermöglicht eine modulare Systemarchitektur, in der einzelne Komponenten unabhängig voneinander entwickelt, angepasst oder erweitert werden können. Änderungen an der Benutzeroberfläche lassen sich beispielsweise realisieren, ohne serverseitige Prozesse grundlegend zu verändern. Gleichzeitig unterstützt dieses Architekturmodell die Skalierbarkeit von Webanwendungen, da serverseitige Ressourcen bei steigender Nutzerzahl oder Last gezielt erweitert werden können (vgl. [1]). Innerhalb des Client-Server-Ansatzes wird üblicherweise zwischen Frontend und Backend unterschieden. Das Frontend umfasst alle clientseitigen Komponenten, die für die visuelle Darstellung von Inhalten sowie für die Benutzerführung verantwortlich sind. Ziel ist es, Informationen verständlich aufzubereiten und eine intuitive Interaktion zu ermöglichen. Das Backend bildet die serverseitige Anwendungsschicht und implementiert die fachliche Logik, stellt Programmierschnittstellen bereit und verwaltet den Zugriff auf Datenbanken oder externe Dienste. Durch diese funktionale Trennung wird die Wartbarkeit des Gesamtsystems erhöht und die Integration zusätzlicher Funktionalitäten erleichtert (vgl. [4]). Neben der strukturellen Aufteilung lassen sich Webanwendungen auch anhand ihres Navigations- und Rendering-Verhaltens klassifizieren. Klassische Multi-Page-Applications (MPA) generieren bei jeder Benutzerinteraktion eine neue HTML-Seite auf dem Server, die vollständig an den Client übertragen wird. Dieses Architekturkonzept ist vergleichsweise einfach zu implementieren, kann jedoch zu Unterbrechungen des Nutzungserlebnisses und erhöhten Ladezeiten führen (vgl. [3]). Single-Page-Applications (SPA) verfolgen demgegenüber einen alternativen Ansatz. Die grundlegende Struktur der Anwendung wird einmalig geladen, während weitere Inhalte dynamisch und asynchron nachgeladen werden. Seitenwechsel erfolgen ohne einen vollständigen Neuaufbau der Seite, wodurch eine reaktionsschnelle und konsistente Benutzererfahrung ermöglicht wird. Aufgrund dieser Eigenschaften haben sich SPAArchitekturen insbesondere bei interaktiven Webanwendungen wie Online-Shops oder administrativen Systemen etabliert (vgl. [3]). Zusammenfassend bilden moderne Webanwendungsarchitekturen mit ihrer klaren Trennung von Verantwortlichkeiten sowie ihrer Unterstützung modularer und skalierbarer Systeme die theoretische Grundlage für leistungsfähige E-Commerce-Plattformen. Die dargestellten Konzepte dienen im weiteren Verlauf der Arbeit als Basis für die architektonischen und technologischen Entscheidungen bei der Konzeption und Umsetzung des Verkaufsportals. [1] Richards, M.; Ford, N.: Fundamentals of Software Architecture: An Engineering Approach. O’Reilly Media, Sebastopol, 2020. [2] Bass, L.; Clements, P.; Kazman, R.: Software Architecture in Practice. 4th ed., Addison-Wesley, Boston, 2021. [3] Sommerville, I.: Software Engineering. 10th ed., Pearson, Harlow, 2016. [4] Pressman, R. S.; Maxim, B. R.: Software Engineering: A Practitioner’s Approach. 9th ed., McGraw-Hill, New York, 2020. 2.1 E-Commerce-Grundlagen für kleine Unternehmen Der elektronische Handel stellt für viele Unternehmen mittlerweile keine optionale Ergänzung mehr dar, sondern hat sich zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit entwickelt [1, S. 11]. Insbesondere für kleine, inhabergeführte Buchhandlungen unterscheidet sich die Realität im E-Commerce deutlich von der großer Handelskonzerne [3, S. 17–18]. Vor diesem Hintergrund ist es erforderlich, die grundlegenden Begriffe klar zu definieren und die spezifischen Herausforderungen kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) im digitalen Handel zu analysieren. 2.1.1 Definition und Abgrenzung Zunächst ist zu klären, was im Rahmen dieser Arbeit unter dem Begriff Electronic Commerce (E-Commerce) verstanden wird. Deges definiert E-Commerce als die Anbahnung, Aushandlung und Abwicklung von Geschäftstransaktionen über Rechnernetzwerke, insbesondere über das Internet [1, S. 11 f.]. Eine zentrale Abgrenzung besteht gegenüber dem umfassenderen Begriff des E-Business. Während E-Business die Digitalisierung sämtlicher wertschöpfender Prozesse eines Unternehmens einschließt und damit auch interne Abläufe wie Personalverwaltung oder Beschaffung umfasst, fokussiert sich E-Commerce primär auf marktgerichtete Transaktionsund Verkaufsprozesse [1, S. 18]. Für das Ziel dieser Bachelorarbeit ist diese Differenzierung von wesentlicher Bedeutung, da das zu entwickelndes Portal gezielt der digitalen Vertriebsunterstützung dient und keine komplexe Unternehmenssoftware ersetzen soll, die für einen kleinen Buchhändler funktional und organisatorisch überdimensioniert wäre. Darüber hinaus hat sich das Verständnis von E-Commerce in den letzten Jahren weiterentwickelt. Eine strikte Trennung zwischen Online-Handel und stationärem Handel gilt zunehmend als überholt. Deges beschreibt diese Entwicklung als Hybridprinzip, bei dem die Grenzen zwischen digitalen und physischen Vertriebskanälen aufgelöst werden [1, S. 44]. Konsumenten bewegen sich dabei in einem sogenannten Connected-CommerceUmfeld, in dem digitale Informationsangebote und physische Einkaufserlebnisse nahtlos ineinandergreifen [1, S. 45]. 2.1.2 Marktdynamik und Customer Journey Der zunehmende Wettbewerbsdruck auf kleine Händler lässt sich maßgeblich durch die Entwicklungen der digitalen Ökonomie erklären. Haas-Kotzegger et al. beschreiben, dass sich die Wettbewerbsbedingungen grundlegend verändert haben und Unternehmen ohne digitale Sichtbarkeit im Entscheidungsprozess der Konsumenten kaum noch wahrgenommen werden [2, S. 7]. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die veränderte Customer Journey. Der Weg eines Kunden zum Produkt beginnt heute in der Regel digital, beispielsweise durch Suchmaschinen oder Online-Plattformen, selbst wenn der eigentliche Kauf schließlich im stationären Geschäft erfolgt [2, S. 15]. Konsumenten erwarten dabei eine nahtlose und konsistente Erfahrung über alle Kanäle hinweg [2, S. 18]. Verschärft wird diese Situation durch die Dominanz großer Online-Plattformen. Anbieter wie Amazon haben Standards im Hinblick auf Verfügbarkeitsinformationen, Suchfunktionen und Bestellprozesse etabliert, an denen sich Kunden orientieren. Kleine Händler stehen somit vor der Herausforderung, vergleichbare Erwartungen zu erfüllen, ohne über die finanziellen und organisatorischen Ressourcen großer Plattformbetreiber zu verfügen [2, S. 21]. 2.1.3 Spezifische Herausforderungen für KMU Die strukturellen Voraussetzungen kleiner und mittlerer Unternehmen unterscheiden sich erheblich von denen großer Handelskonzerne. Mülder et al. identifizieren insbesondere den Mangel an finanziellen, personellen und zeitlichen Ressourcen als zentrales Hemmnis der digitalen Transformation in KMU [3, S. 17–18]. Für inhabergeführte Buchhandlungen bedeutet dies häufig, dass weder Investitionen in komplexe Enterprise-Software noch der Betrieb spezialisierter IT-Abteilungen realistisch sind. Neben begrenzten Ressourcen stellt fehlendes technisches Know-how einen weiteren kritischen Faktor dar. Während größere Unternehmen über eigene IT-Abteilungen verfügen, müssen kleine Händler digitale Systeme oftmals eigenständig oder parallel zum Tagesgeschäft betreiben. Komplexe Systeme können Nutzer ohne technischen Hintergrund schnell überfordern, was zu Fehlbedienungen und Frustration führt [3, S. 17-22]. Aus diesen Erkenntnissen ergibt sich eine zentrale Anforderung für diese Arbeit: Die entwickelte technische Lösung muss professionellen funktionalen Anforderungen genügen, gleichzeitig jedoch so benutzerfreundlich gestaltet sein, dass sie ohne tiefgehende ITKenntnisse administriert werden kann. 2.1.4 Strategische Lösungsansätze: ROPO und Cross-Channel Die Literatur zeigt, dass die erfolgreiche digitale Positionierung kleiner Händler weniger in der Nachahmung großer Plattformen liegt, sondern vielmehr in der gezielten Nutzung ihrer lokalen Stärken [1, S. 140–147]. Ein zentrales Konzept in diesem Zusammenhang ist der ROPO-Effekt (Research Online, Purchase Offline). Deges beschreibt, dass viele Konsumenten Produkte zunächst online recherchieren, den Kauf jedoch bewusst im stationären Handel abschließen, etwa um sofortige Verfügbarkeit oder persönliche Beratung zu nutzen [1, S. 146]. Ein Verkaufsportal für einen lokalen Buchhändler sollte diesen Effekt gezielt unterstützen. Ein wesentliches Instrument hierfür ist die virtuelle Regalverlängerung. Da ein stationäres Ladengeschäft nur ein begrenztes Sortiment vorhalten kann, ermöglicht ein Online-Shop den Zugriff auf das gesamte lieferbare Buchangebot [1, S. 214]. In Kombination mit Click-&Collect-Modellen, bei denen Kunden online bestellen und die Ware im Geschäft abholen, entsteht ein Cross-Channel-Ansatz, der digitale Bequemlichkeit mit persönlichem Service vor Ort verbindet [1, S. 249]. Ein Verkaufsportal für einen lokalen Buchhändler sollte diesen Effekt gezielt unterstützen. Ein wesentliches Instrument hierfür ist die virtuelle Regalverlängerung. Da ein stationäres Ladengeschäft nur ein begrenztes Sortiment vorhalten kann, ermöglicht ein Online-Shop den Zugriff auf das gesamte lieferbare Buchangebot [1, S. 214]. In Kombination mit Click-&Collect-Modellen, bei denen Kunden online bestellen und die Ware im Geschäft abholen, entsteht ein Cross-Channel-Ansatz, der digitale Bequemlichkeit mit persönlichem Service vor Ort verbindet(Mülder, Barton und Wirtz, 2024) Mülder, W., Barton, T. und Wirtz, K.W. (2024) Digitalisierte Unternehmen: So gelingt die Digitale Transformation im Unternehmen. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden (Angewandte Wirtschaftsinformatik und angewandte Informatik lernen). Verfügbar unter: https://doi.org/10.1007/978-3-658-43437-3.
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