+Model FUSPRU-30995; No. of Pages 11 ARTICLE IN PRESS FussSprungg xxx (2020) xxx—xxx Online verfügbar unter www.sciencedirect.com ScienceDirect Review zum Themenschwerpunkt Komplikationen chirurgischer Eingriffe an den Kleinzehen Complications following lesser toe surgery Madeleine Willegger a,∗, Reinhard Schuh b, Hans-Jörg Trnka c a Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie - Klinische Abteilung für Orthopädie, Medizinische Universität Wien, Wien b Abteilung für Kinderorthopädie und Fußchirurgie, Orthopädisches Spital Speising, Wien c Fußzentrum Wien, Privatkinik Confraternität, Wien Eingegangen am 5. Juni 2020; akzeptiert am 7. Juni 2020 SCHLÜSSELWÖRTER Zusammenfassung Kleinzehen; Komplikationen; Hammerzehe; Krallenzehe; PIP Arthrodese; DIP Arthrodese; MTP Instabilität; Revision Hintergrund: Kleinzeheneingriffe gehören zu den häufigsten durchgeführten Operationen des Fußes. Eine Vielzahl an Pathologien hervorgerufen durch ein Ungleichgewicht der extrinsischen und intrinsischen Muskulatur trifft auf eine noch größere Zahl an chirurgischen Techniken. Die Patientenzufriedenheit und die klinischen Ergebnisse sind großteils sehr gut, treten jedoch Komplikationen auf, bedeuten diese oft schwerwiegende Folgen mit schmerzhaften Verläufen für die Patienten. Methoden: Abhängig von der Korrigierbarkeit der Deformität (flexibel vs. rigide) werden entweder knöcherne Korrekturen im Sinne von Osteotomien (z.B. Weil), Arthrodesen (PIP, DIP), Arthroplastiken (Trochlearesektions-Arthroplastik), oder Weichteileingriffe (z.B. Sehentransfers, Sehnenverlängerungen, Rekonstruktionen der plantaren Platte) durchgeführt. Ergebnisse: Komplikationen können generell in 4 Kategorien unterteilt werden: Wundkomplikationen, Fehlstellungen, neurologische Komplikationen und Implantat assoziierte Komplikationen. Oberflächliche Wundinfektionen sind häufig und können mit konservativen Maßnahmen und einer oralen Antibiose beherrscht werden. Hingegen zählen minderperfundierte Zehen, fixierte Dorsalextensionsfehstellungen, oder tiefe Infektionen zu den schwerwiegenden Komplikationen. Schlussfolgerung: Komplikationen nach Kleinzehenkorrekturen sind genauso divers wie die zugrunde liegenden Pathologien. Als ultima ratio ist vor allem bei schweren Infektionen, Durchblutungsstörungen, oder rezidivierenden Fehlstellungen eine Amputation der Zehe als letzte Therapieoption keine Seltenheit. ∗ Korrespondierender Autor. Dr. Madeleine Willegger, FEBOT, Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie — Klinische Abteilung für Orthopädie, Medizinische Universität Wien, Währinger Gürtel 18-20 1090 Wien, Telefon: 0043 1 40400 40830. E-Mail: madeleine.willegger@meduniwien.ac.at (M. Willegger). https://doi.org/10.1016/j.fuspru.2020.06.002 Please cite this article in press as: Willegger M, et al. Komplikationen chirurgischer Eingriffe an den Kleinzehen. FussSprungg (2020), https://doi.org/10.1016/j.fuspru.2020.06.002 +Model ARTICLE IN PRESS 2 M. Willegger et al. KEYWORDS Abstract Lesser toe surgery; Complications; Hammer toe; claw toe; PIP arthrodesis; DIP arthrodesis; MTP joint instability; Revision Background: Lesser toe surgeries are among the most commonly performed surgical procedures in foot and ankle surgery. A large number of pathologies caused by an imbalance of the extrinsic and intrinsic muscles encounter an even greater number of surgical techniques. For the most part, patient satisfaction and clinical results are very good, but if complications occur, these often result in pain and can cause serious disability for the patient. Methods: Depending on the correctability of the deformity (flexible vs. rigid), either bony corrections including osteotomies (e.g. Weil), arthrodesis (PIP, DIP), and arthroplasty (trochlear resection arthroplasty), or soft tissue procedures (e.g. tendon transfers, tendon lengthening, reconstructions of the plantar plate) are used. Results: Complications can generally be divided into 4 categories: wound complications, malalignment, neurological complications and implant-related complications. Superficial wound infections are common and can be managed with conservative measures and oral antibiotics. In contrast, hypoperfused toes, fixed dorsiflexion contracture, or deep infections are serious complications. Conclusion: Complications following lesser toe surgeries are as diverse as the underlying pathologies. Amputation of the toe as a last resort is not uncommon, especially in cases of severe infection, circulatory disorders or recurrent malalignment. Einleitung Chirurgische Eingriffe der Kleinzehen sowie an den metatarsophalangealen (MTP) Gelenken zählen zu den häufigsten Operationen der Fuß und Sprunggelenksregion. Die genaue Inzidenz der symptomatischen Kleinzehendeformitäten ist nicht bekannt, allerdings haben Daten aus Australien und Schweden gezeigt, dass chirurgische Kleinzeheneingriffe zwischen 28% und 46% der gesamten Vorfußoperationen für sich beanspruchen[1,2]. Bezogen auf eine US amerikanische Population belaufen sich Schätzungen der Gesamtkosten der Hammerzehenkorrekturen jährlich auf 1 Milliarde US Dollar[3]. Ursächlich für die Fehlstellung ist meist ein Ungleichgewicht der extrinsischen und intrinsischen Fußmuskulatur, jedoch Trauma, Rheumatoide Arthritis oder neuromuskuläre Erkrankungen können ebenso verantwortlich für eine Zehendeformität sein[4]. Ein Zusammenhang mit dem Tragen von Schuhen wurde bewiesen[5,6], was besonders in unserer westlichen Gesellschaft eine große Rolle spielt, da das modische SchuhDesign nicht der anatomischen Form des Fußes entspricht[7]. Die Assoziation von Kleinzehendeformitäten mit höherem Alter[8] lässt in Anbetracht der steigenden Lebenserwartung einen weiteren Anstieg der Operationszahlen erwarten. Die klinischen Ergebnisse sowie die subjektive Patientenzufriedenheit nach Kleinzeheneingriffen ist Großteils sehr gut, jedoch nicht außer Acht zu lassen, sind bis zu 10% an Revisionsoperationen welche alleine bei Hammerzehenkorrekturen beobachtet werden[9]. Mit der wachsenden Anzahl an durchgeführten Kleinzehenkorrekturen, sollten Fußchirurgen mit möglichen Komplikationen und Strategien zur Bewältigung der einzelnen Probleme vertraut sein. Weiters ist die Kommunikation von realistischen postoperativen Ergebnissen essentiell um die Erwartungen des Patienten nicht zu enttäuschen. Jedoch besteht, wie so oft in der orthopädischen Literatur, ein Mangel an qualitativ hochwertigen Studien zu klinischen Ergebnissen. Klare und Evidenz-basierte Richtlinien fehlen, weshalb die Behandlungsstrategien stark variieren. Hinzu kommt eine mangelnde standardisierte Nomenklatur mit Vermischung der Pathologien (Hammerzehe, Krallenzehe, Mallet Zehe, usw.) und konsekutiver Durchführung unangemessener chirurgischer Eingriffe. Es gibt keine universelle Unterscheidung zwischen dem Begriff Hammerzehe und Klauenzehe, was es wiederum schwierig macht, Ergebnisse und Komplikationen nach genauen Diagnosen zu kategorisieren[10]. Die Einteilung in eine flexible oder rigide Deformität ist jedoch bei jeglicher Fehlstellung der Kleinzehen anwendbar. Mögliche Komplikationen der Kleinzeheneingriffe können generell in die folgenden 4 Kategorien unterteilt werden: Wundkomplikationen, Fehlstellungen, neurologische Komplikationen und Implantat assoziierte Komplikationen[11]. Dieser Übersichtsartikel kombiniert die Erfahrungen der Autoren mit der besten verfügbaren Evidenz der Literatur, welche ein Spektrum möglicher Komplikationen von Operationen der Kleinzehen und MTP Gelenke abdecken. Please cite this article in press as: Willegger M, et al. Komplikationen chirurgischer Eingriffe an den Kleinzehen. FussSprungg (2020), https://doi.org/10.1016/j.fuspru.2020.06.002 +Model ARTICLE IN PRESS Komplikationen chirurgischer Eingriffe an den Kleinzehen Abbildung 1. Rote, geschwollene Zehe Eine geschwollene, dicke und gerötete Zehe wird häufig nach Kleinzeheneingriffen beobachtet. Eine oberflächliche Infektion sollte mit einer oralen Antibiose sowie mit konservativen abschwellenden Maßnahmen behandelt werden. Wundkomplikationen Infektion Eine Infektion kann jeden operativen Eingriff erschweren und es ist fast überraschend, dass die Infektionsraten nach Kleinzeheneingriffen nicht höher sind, aufgrund mehrerer potentieller Risikofaktoren. Patientenspezifische Faktoren inkludieren einen schlecht eingestellten Diabetes mellitus, der Zigarettenkonsum, oder auch eine mangelnde Compliance[11]. Die Zehenposition mit Bodenkontakt begünstigt eine Verschmutzung der OP Wunde, was wiederum mit einer mangelnden Compliance der Patienten Hand in Hand gehen kann. Darüber hinaus enthalten die kleinen Zehen keine Muskeln und sind anfällig für Traumen, sowie eine Hypoperfusion bei Kälte. Ein schlechter lymphatischer und venöser Abfluss durch eine iatrogene Verletzung der Gefäße führt zu einer Schwellungsneigung im Vorfußbereich. Generell gilt eine prolongierte Schwellung der operierten Zehe als häufige Folgeerscheinung bzw. Komplikation nach Kleinzeheneingriffen[12]. Die dicken und geröteten Zehen werden meist als kosmetisch unattraktiv vom Patienten empfunden. (Abb. 1) Eine tatsächliche Komplikation im Sinne einer Infektion muss jedoch ausgeschlossen respektive behandelt werden. Durch eine bakterielle Grund-Kolonisierung des Fußes, sowie eine erhöhte Schweißproduktion, mazeriert die Haut am Fuß sehr leicht und Wundheilungsstörungen sind die Folge. Die aufgeweichte Haut bietet einen guten Nährboden für Keime und begünstigt eine Infektion. Durch die Verwendung von K-Drähten zur Stabilisierung der Zehen nach Korrekturoperationen, welche durch die Haut 3 austreten, besteht ein potenzielles Eintrittsportal für Keime[13]. Wie die meisten Vorfußverfahren wird die Kleinzehenchirurgie meistens als ambulanter Eingriff durchgeführt. Patienten und / oder Familienangehörige müssen darüber aufgeklärt werden, dass eine Beobachtung von Symptomen oder Anzeichen einer Infektion selbstständig und eigenverantwortlich durchzuführen ist. Bei Auftreten von zunehmenden Schmerzen, oder Pochen der Wunde, einer vermehrten Wundsekretion, oder Fieber und Schüttelfrost ist umgehend der behandelnde Operateur zu kontaktieren[11]. Kramer et. al fanden eine Rate von 11% einer verordneten oralen antibiotischen Therapie während des Follow-up nach Hammerzehenkorrektur[14]. Dies lässt eine generell hohe Zahl an oberflächlichen und minimalen Wundkomplikationen mit kleinen Wundheilungsstörungen vermuten. Als chirurgisches Grundprinzip gilt: bei Verdacht auf eine Abszess-Formation darf die Indikation zur chirurgischen Revision und Wundspülung großzügig gestellt werden. Bei Wunddehiszenzen sollte eine bakterielle Superinfektion, durch Verordnung oraler Antibiotika und die Durchführung regelmäßiger Verbandswechsel, vermieden werden. Bakterizide silberhaltige Verbände können in der Wundbehandlung hilfreich sein. Die meisten Bedenken hinsichtlich einer Wundinfektion können jedoch durch strikte Elevation des Beins zur Verbesserung des venösen Abflusses und durch orale Antibiotika gelöst werden. Eine tatsächliche Infektion durch den K-Draht konnte lediglich in 0.3% der Fälle bestätigt werden[14]. Bei einer Implantat-assoziierten Osteomyelitis sollte das Metall umgehend entfernt werden und ein chirurgisches Debridement zusammen mit einer intravenösen gezielten Antibiotika Therapie begonnen werden. Knochenhohlräume können mit Antibiotika haltigem Zement oder Calcium-Phosphat Pellets aufgefüllt werden[15]. Bei einem unbeherrschbaren Infekt gilt leider wie so oft in der Vorfußchirurgie die Amputation des betroffenen Segments als ultima ratio. (Abb. 2) Ischämie und Zehengangrän Die Zehengangrän ist eine seltene jedoch folgenschwere Komplikation welche vor allem nach exzessiven Kleinzehenkorrekturen, speziell bei Rauchern, älteren Patienten mit einer Arteriosklerose, oder lange bestehender Deformität mit kontrakten Weichteilverhältnissen, auftreten kann. Diese schwerwiegende Komplikation muss ebenso mit jenen Patienten besprochen und schriftlich in der Operationseinwilligung dokumentiert werden, welche eine große Korrektur im MTP oder PIP Please cite this article in press as: Willegger M, et al. Komplikationen chirurgischer Eingriffe an den Kleinzehen. FussSprungg (2020), https://doi.org/10.1016/j.fuspru.2020.06.002 +Model ARTICLE IN PRESS 4 M. Willegger et al. Abbildung 2. Wunddehiszenz nach Zehenamputation Zustand eines Fußes nach tiefem Infekt eines Kleinzeheneingriffs sowie konsekutiver Amputation der 2. und 3. Zehe. Die Wundränder sind weiterhin mazeriert und die Haut angrenzend an die 4. Zehe beginnt zu demarkieren. Gelenk erhalten. In einer großen Serie von fast 2700 Hammerzehenkorrekturen konnten Kramer et al. eine Amputationsrate von 0.4% finden[14]. Patienten mit bestehenden vaskulitischen Erkrankungen und einem Raynaud-Phänomen müssen präoperativ sorgfältig untersucht werden. Das Vorhandensein oder Fehlen von peripheren Pulsen sollte dokumentiert werden und, falls nicht oder nur schwach vorhanden, muss eine weiterführende angiologische oder gefäßchirurgische Abklärung eingeleitet werden, bevor eine elektive Operation durchgeführt wird. Die arterielle Versorgung der Zehen muss bei der chirurgischen Schnittführung berücksichtigt werden. Weiters sollte auf eine gewebeschonende Handhabung des Weichgewebes geachtet werden, um das Risiko einer Verletzung der Gefäße zu minimieren. Einschnitte an den lateralen Seiten der Zehen, im Bereich des neurovaskulären Bündels, sollten wenn möglich immer vermieden werden. Eine dorsale Inzision allein ist sicher, erhöht aber in Kombination mit anderen Inzisionen das Risiko einer Ischämie. Eine weitere Ursache für Zehenischämie ist die Schädigung der Arteriae digitales plantares communes in den angrenzenden Web-Spaces. Dies kann beispielsweise während der gleichzeitigen Operation eines Neuroms im zweiten und dritten Web-Space oder bei Durchführung mehrerer kleinerer Mittelfußosteotomien passieren. Bei einem dislozierten MTP Gelenk kann eine Reposition der Zehe zu einer Dehnung der Gefäße und Nerven infolge der akuten Verlängerung führen, was insbesondere bei alten Patienten beachtet werden sollte[13]. Wird bei der Korrektur einer flexiblen Hammerzehe ein Flexor pro Extensor Sehnentransfer mit einem Split der FDL Sehne durchgeführt, so ist darauf zu achten, dass beim Transfer der Sehne von plantar nach dorsal streng seitlich am Knochen der proximalen Phalanx präpariert wird. Eine Verletzung oder Quetschung der Gefäße kann zu einer Minderperfusion der Zehe führen[16,17]. Eine Alternative bietet der Flexor pro Extensor Sehnen Transfer der FDL Sehne mittels Tenodeseschraube. (Abb. 3) Wird unter Blutsperre operiert, so ist eine Überprüfung der Rekapillarisierung nach Eröffnen des Tourniquets obligatorisch. Es kommt nicht selten vor, dass eine Zehe direkt postoperativ kalt und weiß erscheint. Meistens ist dies durch einen Vaso Spasmus bedingt, welcher durch die intraoperative Manipulation verursacht wird. Der Chirurg sollte die Zehe beobachten. Bleibt die Zehe nach mehreren Minuten noch immer weiß und leblos, muss überprüft werden ob der angelegte Verband die Gefäßversorgung komprimiert. Ist die Zehe durch einen K-Draht stabilisiert, könnten die Spannungsverhältnisse des Gewebes nach der Zehenkorrektur ausschlaggebend sein für die Minderdurchblutung. Ist die Zehe über 30 Minuten postoperativ weiß und nicht durchblutet, wird empfohlen den K-Draht zu entfernen, gegebenenfalls den Flexorensehnentransfer zu lösen, und einen locker adaptierten Verband anzulegen. Im Zweifelsfall ist ein Korrekturverlust gegenüber dem Zehenverlust vorzuziehen. Im schlimmsten Fall kann es zu einer definitiven Ischämie mit einer demarkierten lividen Zehe mit folgender Gangrän kommen, welche nur mehr mit einer Amputation beantwortet werden kann. Das erneute Gespräch mit dem/der Patienten/in oder Angehörigen sollte gesucht werden und mit der definitiven Amputation kann bis zur Entwicklung einer trockenen Gangrän gewartet werden[11]. (Abb. 4) Fehlstellungen Floating Toe oder schwebende Zehe In der mittleren Standphase des Gangzyklus werden die Kleinzehen aktiv durch die Zehenflexoren und passiv durch den Windlass-Mechanismus der Plantaraponeurose plantar flektiert[18]. Die Weichteilspannungsverhältnisse im MTP Gelenk sind essentiell für die Balance der Kleinzehen in Richtung Extension und Flexion. Bei der so genannten Floating Toe hat die Kleinzehe im Stand keinen Bodenkontakt. (Abb. 5) Die Floating Toe gilt als häufigste Komplikation oder Restdeformität nach einer Weil Osteotomie und wurde in Verlaufsstudien durchschnittlich mit 36% bis zu 68% beschrieben[19,20]. Am häufigsten Please cite this article in press as: Willegger M, et al. Komplikationen chirurgischer Eingriffe an den Kleinzehen. FussSprungg (2020), https://doi.org/10.1016/j.fuspru.2020.06.002 +Model ARTICLE IN PRESS Komplikationen chirurgischer Eingriffe an den Kleinzehen 5 Abbildung 3. modifizierter Flexor pro Extensor Transfer mit Tenodese-Schrauben Fixierung Schematische Darstellung eines Flexor pro Extensor Sehnentransfers zur Korrektur eines subluxierten MTP Gelenks. 1) Nach einem streng dorsalen Zugang zum MTP Gelenk wird ein Bohrloch an der Basis der proximalen Phalanx von dorsal nach plantar kreiert. 2) Die Flexor digitorum longus Sehne wird von ihrer Insertion plantar abgesetzt und mit einem Fiberloop armiert. 3) Die Sehne wird von plantar nach dorsal gezogen und das MTP Gelenk wird reponiert. 4) Sind die Spannungsverhältnisse des Sehnentransfers adäquat eingestellt, so wird eine Tenodese-Schraube zur Fixierung der FDL-Sehne implantiert. 5) Der Stumpf der verbleibenden Sehne kann mit der Streckerhaube oder der Extensor digitorum longus Sehne vernäht werden. Abbildung 4. Nekrotische Zehe Plantare Ansicht einer trockenen Gangrän der 3. Zehe. tritt die Floating Toe jedoch nach Kombination einer Weil Osteotomie zusammen mit einer PIP Arthrodese auf[21]. Allerdings auch nach Trochlearesektions-Arthroplastik wurden Raten von 23% beschrieben[22]. Dieser Zustand kann biomechanisch einerseits durch die Änderung des Rotationszentrums des MTP-Gelenks nach Weil Osteotomie, und andererseits durch den Spannungsverlust der plantaren Platte und der Plantarfaszien Insertionen aufgrund von Verkürzungen erklärt werden[23,24]. Die meisten Floating Toes bleiben asymptomatisch und es bedarf keiner weiteren chirurgischen Therapie. Um jedoch eine bleibende oder fortschreitende Dorsalextensionsfehlstellung der Zehe zu verhindern/vermeiden, können mehrere chirurgische Ansätze angedacht werden. Einerseits kann Abbildung 5. Floating Toe Klassisches Bild einer Floating toe der 2. Zehe nach Weil Osteotomie. initial die Extensoren Sehne verlängert werden, die Weil Osteotomie sollte so parallel wie möglich zur Bodenebene durchgeführt werden, ein Flexor-proExtensor Sehnentransfer bringt eine zusätzliche Plantarflexionskraft auf die Zehe, und das MTP Gelenk kann temporär mit einem K-Draht in 5◦ Plantarflexionsstellung fixiert und ruhig gestellt werden[23,25,26]. Knöcherne Fehlstellungen bei stattgehabter plantarisierender Weil Osteotomie können durch eine dorsale closing wedge Osteotomie des proximalen Metatarsale korrigiert werden. Instabilitäten des MTP Gelenks aufgrund einer Ruptur der plantaren Platte können durch eine Rekonstruktion adressiert werden[27]. Please cite this article in press as: Willegger M, et al. Komplikationen chirurgischer Eingriffe an den Kleinzehen. FussSprungg (2020), https://doi.org/10.1016/j.fuspru.2020.06.002 +Model ARTICLE IN PRESS 6 M. Willegger et al. Extensionskontraktur Die Extensionskontraktur im MTP Gelenk ist vermutlich die häufigste Komplikation der Kleinzehenchirurgie welche am meisten Beschwerden verursacht. Coughlin et al. beschreiben 13% nach Hammerzehenkorrektur mittels Trochlearesektions-Arthroplastik mit einer sehr hohen Unzufriedenheitsrate der betroffenen Patienten[22]. Sie kann durch eine postoperative knöcherne Fehlstellung auftreten, durch ein unzureichendes Weichteil Prozedere mit einer resultierenden Dysbalance der Sehnenzüge, oder einer prolongierten postoperativen Immobilisierung hervorgerufen werden[11]. Die initiale konservative Therapie dieser Komplikation sollte durch Physiotherapie mit Dehnung der dorsalen Strukturen sowie der Achillessehne erfolgen. Weitere Maßnahmen beinhalten eine Schuhmodifikation und Einlagenversorgung. Eine dorsal extendierende closing wedge Osteotomie der Basis des Metatarsale[28] und / oder ein Flexor-proExtensor Sehnentransfer können Abhilfe schaffen. Ist die Kontraktur durch eine starke Vernarbung des dorsalen Zugangs bedingt, so kann additiv eine Z-Plastik der Haut die Weichteilsituation verbessern[29]. Flexionsfehlstellung Eine Flexionskontraktur des DIP Gelenks wurde als typische Komplikation nach PIP Arthrodese zur Hammerzehenkorrektur beschreiben. In einer Serie von Lehman et al. wurden 40% der operierten Zehen mit dieser postoperativen Fehlstellung vorgefunden[30]. Gastrocnemius Rezession bei Equinus Kontraktur, eine Hallux valgus Korrektur zur Stabilisierung des ersten Strahls, und eine Weil Osteotomie für überlange Mittelfußknochen. Die Rekonstruktion der plantaren Platte, ein Flexor-pro-Extensor Sehnentransfer sowie eine temporäre K-Draht Stabilisierung sind auch hier etablierte Verfahren um die Zehe in die anatomische Position zu bringen. Ein Vergleich der K-Draht Fixierung gegen eine redressierende Verbandanlage nach Krallenzehenkorrektur mit Korrektur eines subluxierten MTP Gelenks, zeigte geringere Re-Subluxationsraten nach einem 10 Jahres Verlauf[33]. Bei Patienten mit vorheriger missglückten plantaren Platten-Rekonstruktion oder Sehnentransfer, kann eine Resektionsarthroplastik des betroffenen Mittelfußköpfchens mit oder ohne Sehnen-Allograft Transplantat helfen die Schmerzen zu lindern. Die postoperative Ausrichtung der Zehe ist jedoch nach diesen Verfahren nicht vorhersehbar[34]. Transfer Metatarsalgie Dieser Zustand kann aufgrund einer unausgeglichenen Belastung des Vorfußes nach knöchernen Neuausrichtungen wie der Weil Osteotomie (z.B. zu viel verkürzt, zu dorsal extendiert, zu viel plantarisiert), oder der Metatarsalköpfchen Resektion auftreten[19]. Patienten mit anderen prädisponierenden Faktoren einer mechanischen Überlastung wie Fettleibigkeit, Equinus Kontraktur, Planovalgus Deformität, oder Instabilität des ersten Strahls sind anfälliger für diese Komplikation. Wiederum besteht die initiale Therapie aus einer Einlagenversorgung sowie einer Physiotherapie. Deformität (varus-valgus / Rotation) Subluxation oder Luxation des MTP Gelenks Nach Korrektur einer Zehendeformität kann es zu einer dorsalen Subluxation oder Luxation des MTP Gelenks kommen. Entweder die Zehenkorrektur ist ohne anatomische Reparatur/Rekonstruktion der plantaren Platte und der Seitenbänder erfolgt, oder die Reparatur ist aufgrund einer lang bestehenden Deformität und einem insuffizienten Gewebe mangelhaft[31,32]. Das subluxierte MTP Gelenk muss nicht zwingend symptomatisch werden im Sinne einer Metatarsalgie durch Überlastung des Metatarsalköpfchens. Die anfängliche Therapie des symptomatischen luxierten MTP Gelenks umfasst die Verwendung von Maß angefertigten Einlagen mit einem Relief unter dem betroffenen Mittelfußköpfchen. Therapieresistente Beschwerden sollten einer genauen Ursachenanalyse unterzogen werden. Zu den chirurgischen Therapien zählen: eine Eine Deformität der coronaren Ebene, die mit einer Dysbalance des MTP Gelenks einhergeht, kann aufgrund mehrerer Faktoren auftreten. Beispielseise kann eine Subluxation der proximalen Phalanx Folge einer Synovitis oder schrägen Gelenksfläche im MTP Gelenk sein. Das Kennzeichen einer Crossover Zehe ist die Assoziation mit der plantaren Platte und den Seitenbändern, welche für die Stabilität in der transversal Ebene sorgen. Wandert die Zehe nach medial oder lateral können Druckstellen im Schuh und Clavusbildungen an den angrenzenden Zehen die Folge sein[35]. Während die Kraftvektoren der extrinsischen und intrinsischen Muskeln in Zusammenhang mit den sagittalen Zehendeformitäten bereits gut verstanden sind, ist das Verständnis des Gleichgewichts der coronaren Ebene noch in den Entwicklungsstadien. Eine Kontraktur der Extensorensehnen kann die Please cite this article in press as: Willegger M, et al. Komplikationen chirurgischer Eingriffe an den Kleinzehen. FussSprungg (2020), https://doi.org/10.1016/j.fuspru.2020.06.002 +Model ARTICLE IN PRESS Komplikationen chirurgischer Eingriffe an den Kleinzehen 7 Abbildung 6. Achsfehlstellung 4.Zehe a) Varusfehlstellung im PIP Gelenk nach fehlgeschlagener PIP Arthrodese. b) korrespondierendes dorso-plantares Röntgenbild der Deformität. Deformität noch zusätzlich aggravieren. Fehlstellungen auf Höhe des MTP Gelenks können mit plantaren Platten Rekonstruktionen (+ Weil Osteotomie) und Weichteil Techniken (Release der verkürzten Kapsel-Bandstrukturen) in Kombination mit Sehnentransfers zur dynamischen Korrektur angewandt werden. Diese aufwendigen Rekonstruktionen sind für den anspruchsvollen Patienten vorbehalten. Eine temporäre K-Draht Fixierung für 6 Wochen ist obligatorisch. Als typische Technik ist hier der Extensor digitorum brevis Transfer von distal nach proximal unterhalb des Ligamentum intermetatarsale transversum an der konvexen Seite der Deformität zu erwähnen[16,36,37]. Medio-laterale Abweichungen der Zehen sind einerseits klinisch gut beurteilbar, andererseits kann das belastete dorso-plantare Röntgen zusätzliche Informationen über die genaue Lokalisation des Problems liefern. Das postoperative coronare Zehenalignment wurde in einer Serie von fixierten Hammerzehen als gut in 79%, akzeptabel in 13%, und schlecht in 8% eingestuft[22]. Varus oder valgus der Kleinzehe nach DIP Arthrodese wurde ebenfalls als häufige postoperative Fehlstellung beschrieben[38]. (Abb. 6) Eine fixierte Fehlstellung auf Höhe des PIP oder DIP Gelenks sollte mit einer Arthrodese beantwortet werden[16]. Rotationsfehlstellungen treten ebenfalls häufig auf und können natürlich auch in Kombination mit einer anderen Achsabweichung vorkommen. Die Rotation der Zehe ist klinisch an der Ausrichtung des Nagels gut beurteilbar. Eine realistische Aufklärung der betroffenen Patienten ist essentiell, da eine perfekt aussehende Zehe eventuell auch nach erneuter chirurgischer Korrektur nicht immer erreicht wird. Für Patienten mit einem geringeren funktionellen Anspruch und fehlgeschlagenen Rekonstruktionsversuchen bleibt die Amputation auf Höhe der Deformität eine letzte Alternative. Steife Zehe Bei der Korrektur von flexiblen Kleinzehendeformitäten beispielsweise unter Anwendung von Sehnentransfers, ist die steife Zehe leider eine häufige postoperative Komplikation. Nach einem Flexor pro Extensor Transfer verlieren Patienten die Fähigkeit ihr DIP Gelenk aktiv zu beugen. Die passive Beweglichkeit bleibt theoretisch erhalten, jedoch die aktive Greif-Funktion der Zehe bleibt aus und im Laufe der Zeit können sich steife PIP Gelenke entwickeln[17]. Das steife PIP Gelenk wurde in bis zu 60% der operierten Fälle beobachtet und als störend empfunden, und ist einer der Hauptgründe für die Unzufriedenheit mit diesem Verfahren[39]. Die postoperative Mobilisierung scheint hier der Schlüssel zur Verringerung der Steifheit zu sein, wobei das Entfernen der K-Drähte am frühesten Please cite this article in press as: Willegger M, et al. Komplikationen chirurgischer Eingriffe an den Kleinzehen. FussSprungg (2020), https://doi.org/10.1016/j.fuspru.2020.06.002 +Model ARTICLE IN PRESS 8 M. Willegger et al. nach 2 Wochen empfohlen wird. Daher ist es immer ratsam, mit den Patienten die individuellen Vor- und Nachteile zu besprechen. Bei einem vormals instabilen MTP Gelenk ist eine längere Stabilisierung des Sehnentransfers für ca. 6 Wochen anzuraten, jedoch mit dem potentiellen Nachteil der Entwicklung einer steifen Zehe mit minimaler Funktion[16,40]. Neurologische Komplikationen Nervenverletzungen Die Nervi digitales plantares proprii (vom N. plantaris medialis und lateralis kommend) sind für die plantare sensible Innervation der Zehen zuständig. Die Nervi cutanei digiti kommen von den Hautversorgenden Ästen des N. peroneus superficialis und N. peroneus profundus (1. Web Space) und sind im dorsalen Aspekt bzw. interdigital für die sensible Versorgung verantwortlich[41]. Verletzungen der sensiblen Nerven können im besten Fall zu einer Gefühllosigkeit der Zehe im Versorgungsgebiet führen. Häufig jedoch kommt es zu einer Neurom Bildung oder ungerichteten Aussprossung der Nervenenden und elektrisierende Schmerzen im Bereich der gesamten Zehe oder OP Narbe sind die Folge. Post operatives Neurom Die dorsalen sensiblen Nerven sind so klein, dass eine Verletzung im Zehenbereich schnell passieren kann. Im plantaren Aspekt sind die Nerven plantar des Ligamentum intermetatarsale transversum zu finden und sind besonders beim Extensor digitorum brevis Transfer oder bei Rekonstruktionen der plantaren Platte in Gefahr. Transiente Symptome einer postoperativen Neuritis im Sinne einer Reizung des Nervens sind meist selbstlimitierend. Eine Schmerzlinderung kann durch Physiotherapie, Gabapentin Gabe, sowie die Verordnung von Maßeinlagen eintreten. Kortison Injektionen sind hilfreich, können jedoch nach mehrfacher Anwendung zu einer Gewebeatrophie führen. Ebenfalls kann eine Infiltration (z.B. Ultraschall gezielt) als diagnostisches Mittel Anwendung finden[42]. Ein so genanntes traumatisches postoperatives Neurom mit starken Beschwerden sollte primär mit konservativen Maßnahmen behandelt werden und erst nach Scheitern der Therapie mit einer chirurgischen Sanierung durch eine Neuromresektion beantwortet werden. Der proximale Nervenstumpf sollte nach Resektion in einen Muskelbauch eingenäht werden um eine erneute Aussprossung der Nervenenden zu verhindern[43]. CRPS Typ 1 Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS) Typ 1 kann zu starken Schmerzen und Einschränkungen für den Patienten führen und benötigt eine intensive Therapie. Laut Literatur entwickeln 4% der Patienten nach Fußchirurgischen Eingriffen ein CRPS. Dementsprechend ist diese Komplikation nicht zu unterschätzen[44]. Als wichtigste Differentialdiagnose eines neuropathischen Schmerzes muss das CRPS vor einer Revisions-Operation stets ausgeschlossen werden. Indikativ wäre beispielsweise ein nicht Ansprechen auf eine US-gezielte Infiltration eines suspizierten Neuroms. Betroffene Patienten sollten mit einem multimodalen Ansatz behandelt werden, einschließlich Physiotherapie, psychiatrischer Bewertung, Gabapentin, Nahrungsergänzung und möglicherweise einer Überweisung an einen Schmerzspezialisten[45]. Implantat assoziierte Komplikationen Pseudarthrose Eine Pseudarthrose kann durch mehrere Behandlungsmodalitäten für Kleinzehendeformitäten auftreten einschließlich DIP Arthrodesen, PIP Arthrodesen, proximale Phalangen Osteotomien und verschiedenen Metatarsalosteotomien. Generell führen straffe Pseudarthrosen auf Höhe des PIP Gelenks zu zufriedenstellenden Ergebnissen[46]. In Nachuntersuchungen der Trochlea-Resektionsarthroplastik mit K-Draht Fixierung bei fixierten Hammerzehen fanden Coughlin et al. straffe Pseudarthrosen in 19% der Fälle[22]. Auch am DIP Gelenk wird eine ausbleibende knöcherne Heilung ohne Flexionsfehlstellung gut vom Patienten toleriert[12]. Pseudarthrosen nach Metatarsalosteotomien sind selten, wenn sie jedoch auftreten ist meist eine chirurgische Revision notwendig[47]. Präventive Maßnahmen inkludieren die orale Substitution von Vitamin D bei Patienten mit einem Vitamin D Mangel und eine Rauch-Karenz mindestens 1 Monat präoperativ. Intraoperativ sollte eine thermale Nekrose des Knochens durch Spülen während der Verwendung einer oszillierenden Säge vermieden werden. Knorpelige Gelenksflächen müssen sorgfältig reseziert werden. Bei Pseudarthrosenrevisionen können autologe Knochenanlagerung sowie eine stabile Osteosynthese zur endgültigen Fusion beitragen[11]. Please cite this article in press as: Willegger M, et al. Komplikationen chirurgischer Eingriffe an den Kleinzehen. FussSprungg (2020), https://doi.org/10.1016/j.fuspru.2020.06.002 +Model ARTICLE IN PRESS Komplikationen chirurgischer Eingriffe an den Kleinzehen 9 Bruch des K-Drahtes Der Bruch des transfixierenden K-Drahtes ist eine gefürchtete Komplikation da sie zum vorzeitigen Versagen der Operation führen kann. Ein Korrekturverlust der Zehe ist bei Bruch des Drahtes vor Heilung der Weichteile ziemlich sicher. Typischerweise bricht der Draht auf Höhe des MTP Gelenks proximal des Eintrittspunktes in das Metatarsale. Sofern ein Teil des Drahtes sich im MTP Gelenk befinden sollte, ist eine Revision mit Entfernung des Drahtes und gegebenenfalls Setzen eines neuen transfixierenden Drahtes indiziert. Der K-Draht kann bei der Entfernung durch ein kleines kortikales Fenster vorgeschoben werden und durch das MTP Gelenk herausgezogen werden. Eine Nachuntersuchung von 1002 Zehen mit K-Draht Transfixierung zeigte eine Bruchrate von 3.2%. Patienten mit Rheumatoider Arthritis zeigten eine höhere Versagensrate. Es wird empfohlen mindestens einen Draht von 1.6 mm Dicke (0.062inch) zu verwenden[48]. Als generelle Regel sollte niemals versucht werden eine Deformität mit Hilfe des K-Drahtes zu korrigieren. Die Fehlstellung wird vorhersehbar wieder zurückkehren nach Entfernung des Drahtes, oder es kommt zum vorzeitigen Versagen des Implantats. Eine frühzeitige Entfernung des Drahtes kann natürlich den Bruch verhindern, die Heilung der Weichteile und des Knochens dauert jedoch mindestens 4-6 Wochen[49]. Sonstige Implantat assoziierte Komplikationen Die Dauer der K-Draht Transfixation ist anzupassen an die Gesamtzeit welche notwendig ist um eine ausreichende Weichteilvernarbung zu erreichen, oder eine knöcherne, beziehungsweise straffe Verbindung der Knochen zu erzielen. Es wurde berichtet, dass eine spätere Entfernung (6 Wochen und mehr) des Kirschner Drahts vermehrt mit Komplikationen verbunden ist, einschließlich Drahtbruch, Lockerung, Biegung, beeinträchtigte Zehenperfusion oder Infektion des Stifttrakts in bis zu 18% der Fälle. Bei einer früheren (nach 3 Wochen) Drahtentfernung wurde jedoch eine höhere Rate an Fehlstellungsrezidiven gesehen[49]. Weiters ist auch eine gewisse Verletzungsgefahr mit dem Zehenperforierenden K-Draht assoziiert[50]. Deshalb wurden von der Industrie mehrere Implantate zur Korrektur von Kleinzehendeformitäten für PIP und DIP Arthrodesen entwickelt. Die interne Fixierung der Zehe ist attraktiver für Patienten, die Kosteneffizienz dieser Implantate konnte jedoch noch nicht bewiesen werden, und auch diese Implantate sind nicht frei von Implantat Abbildung 7. Implantat assoziierte Komplikation Luxation eines intramedullären Implantats bei PIP Arthrodese (Smart Toe, Stryker) zur Hammerzehenkorrektur mit folgender valgischen Fehlstellung der 2. Zehe. assoziierten Komplikationen wie beispielsweise einer Luxation mit konsekutivem Korrekturverlust. (Abb. 7) Ellington et al. fanden eine 55.3% Komplikationsrate unter Verwendung eines intramedullären Metall-Implantats (78% Pseudarthrosen, 19% Materialversagen oder Fraktur)[51]. Resorbierbare Pins und Schrauben haben vielversprechende Ergebnisse gezeigt mit geringen Implantat-assoziierten Komplikationen[52,53]. Plantare Schraubenperforationen nach Weil Osteotomie zählen ebenfalls zu schmerzhaften Komplikationen, welche eine erneute Operation zur Metallentfernung indizieren[54]. Zusammenfassung Operative Korrekturen von Deformitäten der Kleinzehen machen einen Großteil der Fußchirurgischen Eingriffe aus. Obwohl eine sehr hohe Patientenzufriedenheit nach Kleinzeheneingriffen besteht, sind Komplikationen wie oberflächliche Wundinfektionen, erneute Fehlstellungen, oder steife bzw. funktionslose Zehen häufig. Schwerwiegende Komplikationen sind vergleichsweise selten, allerdings folgenschwer mit der Konsequenz der Please cite this article in press as: Willegger M, et al. Komplikationen chirurgischer Eingriffe an den Kleinzehen. FussSprungg (2020), https://doi.org/10.1016/j.fuspru.2020.06.002 +Model ARTICLE IN PRESS 10 Zehenamputation als letzte therapeutische Option. Eine prä-operative Evaluierung von patientenspezifischen Risikofaktoren sollte erhoben werden. Ebenso ist eine realistische Aufklärung der Patienten über zu erwartende kosmetische und funktionelle Ergebnisse essentiell um die Erwartungen des Patienten nicht zu enttäuschen. Literatur [1] Menz HB, Gilheany MF, Landorf KB. 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