Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 1 Lösungsansätze zur Ermittlung der kostenoptimierten Fuhrparkhaltedauer für mittelständische Autovermieter Markus Hoff Untere Wernerstr. 50 42651 Solingen Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 2 Inhaltsverzeichnis I. Verzeichnis der Abbildungen ........................................................... 3 II. Verzeichnis der Tabellen .............................................................. 3 1. Einleitung ........................................................................................... 4 1.1. Problemstellung .................................................................................... 4 1.2. Ziel der Arbeit ....................................................................................... 6 1.3. Lösungsweg ......................................................................................... 6 2. Bestandteile der Fahrzeughaltekosten und Ihre Abhängigkeit von der Haltedauer ............................................................................................. 6 2.1. Abschreibung für Abnutzung (AfA)........................................................ 6 2.2. Werbekostenzuschüsse (WKZ) ...........................................................10 2.3. Finanzierungskosten............................................................................12 2.4. Kraftfahrzeugsteuer .............................................................................12 2.5. Zulassungskosten................................................................................13 2.6. Kosten der Ein- und Aussteuerung ......................................................13 2.7. Versicherung .......................................................................................14 2.8. Wartung ...............................................................................................14 2.8.1. Service/Pflege ..................................................................................14 2.8.2. Wartung in externer Werkstatt ..........................................................14 2.9. Reifen ..................................................................................................15 2.10. Schadeninstandsetzung ....................................................................17 2.11. Zusammenfassung der Bestandteile der Fahrzeughaltekosten ..........18 3. Ermittlung der kostenoptimalen Haltedauer anhand eines Beispieles ............................................................................................................ 19 4. Fazit................................................................................................. 23 III. Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen ................................... 24 IV. Quellennachweis /Literaturverzeichnis: .......................................... 25 V. Erklärung ......................................................................................... 26 Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 3 I. Verzeichnis der Abbildungen Abbildung 1: Anzahl der selbständigen Mietwagenunternehmen in Deutschland ........ 4 Abbildung 2: Anzahl der Selbstfahrervermietfahrzeuge in Deutschland ....................... 5 Abbildung 3: Kalkulatorische Inspektionskosten pro Monat ........................................ 15 Abbildung 4: Schadenverlauf PKW pro Monat ............................................................ 17 Abbildung 5: Übersicht monatliche Haltekosten .......................................................... 22 II. Verzeichnis der Tabellen Tabelle 1: Restwertprognose VW Golf .......................................................................... 7 Tabelle 2: Monatlicher Werteverzehr VW Golf .............................................................. 8 Tabelle 3: Monatl. Werteverzehr im Vergleich ............................................................... 9 Tabelle 4: Einorderung Kostenarten ............................................................................ 18 Tabelle 5: Monatliche Haltekosten bei einer Laufzeit von 6 Monaten ......................... 20 Tabelle 6: Haltekosten bei Laufzeiten von 12, 18, 24, 30 und 36 Monaten ................ 21 Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 4 1. Einleitung 1.1. Problemstellung Die mittelständischen Autovermieter in Deutschland sind seit Mitte der 90er-Jahre einem starken Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Klassische Domäne dieser Autovermieter ist das sogenannte Unfallersatzgeschäft, kurz UEG, in welchem die Autovermieter seit 1991 in einer sich immer weiter verschärfenden Diskussion mit der Versicherungswirtschaft stehen. Als Konsequenz dieser Auseinadersetzung hat sich die Anzahl der Autovermietunternehmen massiv verringert, gab es 1994 noch rund 1.400 selbständige Mietwagenunternehmen, so hat sich diese Zahl im Jahre 2007 auf weniger als 600 reduziert.1: Zahl der Mietwagenunternehmen in Deutschland 1400 1200 1000 800 600 400 200 0 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 Abbildung 1: Anzahl der selbständigen Mietwagenunternehmen in Deutschland Interessant ist dabei, dass die Anzahl der Mietwagen, bzw. 2 Selbstfahrervermietfahrzeuge, wie es korrekt heißt , im selben Zeitraum sogar noch gestiegen ist: 1 Interview mit dem ehem. Geschäftsführer des Bundesverbandes der Autovermieter (BAV); Herrn Langmann-Keller am 02.04.2008 in Düsseldorf. 2 Vergl. Verordnung über die Überwachung von gewerbsmäßig an Selbstfahrer zu vermietenden Kraftfahrzeuge und Anhänger vom 21. Juli 1969, (BGBl I S. 186ff.). Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 5 Zahl der Mietwagen 200000 180000 160000 140000 120000 100000 80000 60000 40000 20000 0 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 Abbildung 2: Anzahl der Selbstfahrervermietfahrzeuge in Deutschland 3 Zusammengefasst lässt sich also feststellen, dass es einen erheblichen Konzentrationsprozeß zu Lasten der mittelständischen Autovermieter gegeben hat, bzw. auch weiterhin gibt. Immer weniger Autovermieter halten und kaufen demnach immer mehr Fahrzeuge in ihrem, bzw. für ihren jeweiligen Bestand. Damit einhergehend geraten die kleineren Autovermieter auch auf der Beschaffungsseite immer mehr unter Druck: Wie in fast allen Wirtschaftsbereichen ist es auch im Beschaffungsmarkt für Vermietfahrzeuge so, dass größere Unternehmen günstigere Konditionen erhalten, sei es über höhere Frontnachlässe oder –weit häufiger – über höhere Werbekostenzuschüssen (WKZ), vergl. 2.2. Zum Teil können sich die mittelständischen Autovermieter diesem Nachteil durch die Zusammenlegung der jeweiligen Einkaufsvolumina in entsprechenden Lizenzsystemen4 entziehen, dennoch hat die Optimierung der Kostenseite in den vergangenen Jahren dramatisch an Bedeutung gewonnen. Ungeachtet der Notwendigkeit, die Kosten des Fuhrparks vor dem Hintergrund sinkender Mietpreise zu reduzieren, trifft ein großer Teil insbesondere der kleinen Autovermieter die Entscheidung über die Haltedauer des jeweiligen Fuhrparks nach wie vor aufgrund vermeintlich fundierter Erfahrungswerte und nicht anhand konkreter Kostenüberlegungen. 3 Interview mit dem ehem. Geschäftsführer des Bundesverbandes der Autovermieter (BAV); Herrn Langmann-Keller am 02.04.2008 in Düsseldorf.. 4 Marktführer in diesem Bereich ist die EUROPA SERVICE-Gruppe mit rund 350 angeschlossenen Autovermietern, gefolgt von der CC Unirent und der United Rental Systems mit jeweils weniger als 100, bzw. 50 angeschlossenen Autovermietern. Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 6 1.2. Ziel der Arbeit Ziel dieser Arbeit ist es, mittelständischen Autovermietern als Fuhrparkbetreiber ein Instrument an die Hand zu geben, mit dem sie die vorgenannten Entscheidungen für ihren eigenen Fuhrpark unter ausreichender Berücksichtigung der betriebswirtschaftlich relevanten Faktoren treffen können und somit ihre Fuhrparkkosten reduzieren und die eigene Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig sichern können. 1.3. Lösungsweg Um dieses Ziel zu erreichen, werden im nachfolgenden die für die Höhe der Fuhrparkkosten eines jeweiligen Fahrzeuges relevanten Parameter aufgeführt und ihre Abhängigkeit von der Haltedauer untersucht. Dabei ist nicht die Gesamthöhe der Kosten relevant, sondern die Höhe der Kosten pro betrachteter Zeiteinheit, bedingt durch die marktdurchsetzbare Laufzeit der Fahrzeuge also pro Monat. Denn ausgehend von der Annahme, dass über die Laufzeit pro Monat ein bestimmter und über die Gesamtzahl der eingesetzten Fahrzeuge und Monate weitestgehend konstanter Umsatzerlös pro Monat erzielt werden kann, ergibt sich aus der Maximierung der Differenz zwischen den Umsatzerlösen und den Fuhrparkkosten das Potential zur Gewinnmaximierung. Eine Besonderheit im Bereich der Autovermietung liegt dabei in der Tatsache, dass die Betriebsstoffkosten bei dieser Betrachtung außer Acht gelassen werden können, da diese nahezu vollumfänglich durch den Mieter getragen werden und somit für die Fuhrparkkosten des Autovermieters keine Relevanz besitzen. Nach der deskriptiv orientierten Abhandlung über die relevanten Faktoren erfolgt abschließend eine konkrete Analyse eines Fahrzeugbeispieles. 2. Bestandteile der Fahrzeughaltekosten und Ihre Abhängigkeit von der Haltedauer 2.1. Abschreibung für Abnutzung (AfA) Wie jedes Wirtschaftsgut unterliegen auch die für Vermietung eingesetzten Kraftfahrzeuge einer Abschreibung für Abnutzung, kurz AfA. Hierunter sei im folgenden nicht die Begrifflichkeit im steuerlichen Sinne verstanden, sondern der Werteverzehr zwischen Anschaffung und faktischer Wiederveräusserung, also der Differenz zwischen Kaufund Verkaufspreis des Fahrzeuges: Das Autovermietunternehmen kauft ein Fahrzeug zum Einsatz in der Vermietflotte und verkauft dies Fahrzeug nach Ablauf der Haltedauer für einen entsprechend geringeren Wert. Diese Differenz macht dabei den größten Teil der Fahrzeughaltekosten aus. Zur Verdeutlichung sei nochmals darauf hingewiesen, dass die Betriebsstoffkosten wie insbesondere Kraftstoff hier keine Rolle spielen, da diese nicht durch den Vermieter sondern im Normalfall durch den Mieter zu tragen sind. Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 7 In der überwiegenden Form werden Fahrzeuge durch mittelständische Autovermieter im Rahmen eines sogenannten Buy-Back-Geschäftes vom Händler, bzw. Hersteller selbst gekauft, d.h., dass bereits beim Kauf vertraglich fixiert wird, zu welchem Restwert der liefernde Händler respektive Hersteller das Fahrzeug nach Ablauf der vereinbarten Haltedauer zurück erwirbt. Die dazwischen liegende Differenz stellt die o.g. AfA dar. Da auch der rückkaufende Händler das Fahrzeug wiederum weiter veräussert, ist davon auszugehen, dass sich dieser vereinbarte Restwert am Marktpreis orientiert. Zur Ermittlung des Markpreises stehen diverse Hilfsmittel zur Verfügung, neben der klassischen Marktbeobachtung haben sich einige Unternehmen etabliert, die sogenannte Restwertprognosen abgeben und durch Forecasts bei der Ermittlung eines voraussichtlichen, in der Zukunft liegenden Marktpreis eines Fahrzeuges zu helfen.5 Dieser Hilfsmittel bedienen sich auch Leasinggesellschaften, um den teilweise weit in der Zukunft liegenden Verkaufswert eines Fahrzeuges abschätzen zu können und darauf basierend die Leasingratenkalkulation zu erstellen. Dieser sogenannte Restwertverlauf verläuft keinesfalls linear, das heißt, bei einer Verdopplung der Laufzeit verringert sich der Restwert nicht proportional, sondern zumeist unterproportional: Die AfA ist –prozentual am Fahrzeugwert gemessen – meist umso höher, je jünger das Fahrzeug ist. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Basierend auf der Software zur Restwertprognose der Firma Schwacke-Audatex ergibt sich für einen Volkswagen Golf 2.0 TDi – einen typischen Mietwagen der Mittelklasse – die folgende Restwertprognose: Tabelle 1: Restwertprognose VW Golf 5 Laufzeit in Monaten Restwert in % des Neuwagenpreises 6 75,05% 12 59,75% 18 55,25% 24 49,75% 30 45,25% 36 39,75% 42 34,25% Als Beispiel sei die EUROTax-Schwacke-Organisation genannt, die basierend auf den Vergangenheitswerten für Fahrzeugwerte Prognosen für die zukünftigen Restwerte erstellt. Siehe www.schwacke.de. Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 8 48 29,75% 54 24,25% 60 19,75% Betrachtet man nun den jeweiligen monatlichen Wertverzehr, so fällt auf, dass dieser bei längeren Laufzeiten kontinuierlich sinkt, von anfangs 2,51% pro Monat6 bei sechs Monaten Laufzeit auf 1,12% pro Monat bei einer Laufzeit von 60 Monaten: Tabelle 2: Monatlicher Werteverzehr VW Golf Laufzeit in Monaten Monatlicher Werteverzehr in % 6 2,51% 12 2,27% 18 1,76% 24 1,55% 30 1,39% 36 1,31% 42 1,26% 48 1,19% 54 1,16% 60 1,12% Zur Verdeutlichung sei darauf hingewiesen, dass beim Abschluss eines Buy-BackVertrages zwischen dem liefernden Hersteller/Händler und dem Autovermietunternehmen eine bestimmte Laufzeit und damit ein bestimmter monatlicher AfA-Satz vereinbart wird. Somit ist der Werteverzehr während der Vertragslaufzeit gleich hoch. Basierend auf einem Netto-Listenpreis von 26.256,-€ für das oben beschriebene Fahrzeug ergäbe sich bei einer Laufzeit von sechs Monaten ein monatlicher Werteverzehr in Höhe von rund 659,-€, während sich bei einer Laufzeit von 60 Monaten ein monatlicher Werteverzehr von lediglich rund 294,-€ ergäbe. Vor dem Ziel, die monatlichen Haltekosten –hier also den Werteverzehr - zu minimieren, ist unter Berücksichtigung des Wiederverkaufserlöses eine möglichst lange Haltedauer anzustreben. Allerdings muss eine Haltedauer insbesondere im PKW-Bereich von 60 Monaten als unrealistisch angesehen werden, da davon auszugehen ist, dass diese Fahrzeuge 6 Zu berücksichtigen ist, dass beim monatlichen Wertverzehr nach 6 Monaten ein Nachlass beim Kauf von 13% angenommen wurde, so dass sich als Wert ergibt: 100% Listenpreis abzgl. 13% Nachlass und einem Restwert nach 6 Monaten von 65,05% = Werteverzehr pro Monat i.H.v. 2,51% des Kaufpreises. Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 9 vom Kunden nicht mehr angenommen werden. Das durchschnittliche Alter eines Mietwagens (PKW) liegt in Deutschland bei rund vier Monaten (das heißt, die durchschnittliche Haltedauer beträgt demnach für PKW acht Monate) bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von rund 3.800km pro Monat7. Auch bei guter Pflege ist deshalb davon auszugehen, dass ein Mietwagen mit einem Alter von mehr als 24 Monaten und demnach mit einer Fahrleistung von mehr als 90.000km im normalen Vermietgeschäft, insbesondere im Firmenkundengeschäft massive Widerstände auf Kundenseite auslösen und somit letztlich nicht mehr die notwendigen Umsätze erzielen wird. Naturgemäß haben unterschiedliche Fahrzeugmodelle unterschiedliche, prozentuale Restwerte, abhängig davon, wie gefragt diese Fahrzeuge auf dem Gebrauchtmarkt sind und wie das jeweilige Angebot aussieht. Zur Verdeutlichung sind nachfolgen neben dem bereits bekannten VW Golf noch zwei andere Modelle aufgeführt, zum einen als Beispiel für ein aktuell relativ wertstabiles Fahrzeug ein Audi A3 Sportback und als Beispiel für ein Modell mit relativ niedrigen Restwerten ein VW New Beetle. Diese Modelle sind bewusst ausgewählt, da alle – verbindlich durch die jeweiligen Hersteller an die Händler vorgegeben – identische Nachlässe beim Kauf bieten8 und die Restwertentwicklung somit direkt vergleichbar ist. Wie ersichtlich, haben die Restwerte zwar unterschiedliche absolute Höhen, bei allen Modellen ist jedoch der bereits geschilderte Trend erkennbar, dass der monatliche, prozentuale Werteverzehr bei längerer Laufzeit abnimmt 9: Tabelle 3: Monatl. Werteverzehr im Vergleich Mtl. Werteverzehr in % des Neuwagenpreises 7 VW Golf 2.0 Tdi Audi A3 Sportback 2.0TDi VW New Beetle 1.9 Tdi 6 2,51% 3,13% 3,97% 12 2,27% 2,10% 2,60% 18 1,76% 1,65% 1,99% 24 1,55% 1,47% 1,72% 30 1,39% 1,33% 1,53% 36 1,31% 0,98% 1,42% 42 1,26% 1,21% 1,35% 48 1,19% 1,15% 1,28% Laufzeit in Monaten Interview mit dem ehem. Geschäftsführer des Bundesverbandes der Autovermieter (BAV); Herrn Langmann-Keller am 02.04.2008 in Düsseldorf. 8 Siehe 6. 9 Datenquelle: Restwertprognose-Software der Firma EUROTax-Schwacke, siehe www.schwacke.de. Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 10 54 1,16% 1,13% 1,24% 60 1,12% 1,09% 1,19% Somit gilt auch für diese Fahrzeuge, dass zur Erzielung eines monatlich möglichst geringen Werteverzehres die Laufzeit unter Berücksichtigung der Marktakzeptanz möglichst lang gewählt werden sollte. 2.2. Werbekostenzuschüsse (WKZ) Wie bereits geschildert, beträgt der reine Werteverzehr beim angeführten Beispielfahrzeug VW Golf bei einer Laufzeit von sechs Monaten rund 960,-€ monatlich. Dieser Wert liegt isoliert bereits erheblich über dem Mietpreis, zu dem diese Fahrzeuge aktuell marktüblich angeboten werden. 10 Hinzu kommen die im Folgenden noch genauer analysierten, weiteren Haltekostenpositionen. Demnach muss der realisierte Werteverzehr der Autovermietunternehmen deutlich niedriger liegen, als es die in den vorangegangenen Abschnitten erläuterten Werte suggerieren. Tatsächlich erhalten Autovermietunternehmen von den meisten Herstellern eine zusätzliche Förderung, den sogenannten Werbekostenzuschuss (WKZ). Wie der Name andeutet, zahlen die Automobilhersteller diesen Zuschuss an die Autovermietunternehmen, um diese in ihren Werbeund Verkaufsförderungsmassnahmen zu unterstützen und dabei das eigene Produkt hervorzuheben. Die Überlegung der Automobilhersteller ist dabei, dass jeder Mieter auch gleichzeitig ein potentieller Kaufkunde ist und deshalb möglichst im eigenen Produkt fahren soll, sinngemäß im Rahmen einer indirekten Probefahrt. Damit das eigene Produkt ausreichend in der Vermietflotte des Autovermieters vorhanden ist und somit auch für Mietkunden zur Verfügung steht, subventioniert der Automobilhersteller den Werteverzehr des Fahrzeuges durch die Zahlung eines WKZ. Es darf vermutet werden, dass der Werbegedanke in Einzelfällen in den Hintergrund rückt und die Höhe der WKZ auch Einfluss auch die Absatzzahlen des jeweiligen Produktes bei den Autovermietern ausübt, von den Herstellern also gezielt als Instrument der händlerunabhängigen Absatzsteuerung genutzt wird: Händlerunabhängig deshalb, weil der WKZ im Normalfall nicht durch den Händler beispielsweise in Rahmen eines zusätzlichen – und den Restwert nicht verändernden Nachlasses - berücksichtigt wird, sondern durch den Hersteller selbst an den Autovermieter – meist über dessen Lizenzgeber, der das Inkasso und die Verwaltung 10 Vergl.beispielsweise www.terstappen.de: Fahrzeuge der Mittelklasse monatlich ab 549,-€ Mietrate inkl. Haftungsbeschränkung. Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 11 übernimmt - mit einer gewissen Zeitverzögerung nach Zulassung gezahlt wird und somit den Werteverzehr der AfA subventioniert. Art und Höhe sind dabei von Hersteller zu Hersteller und meist auch von Modell zu Modell unterschiedlich, abhängig von der Restwertsituation des jeweiligen Modells und der Intention des Herstellers zur AbsatzsteuerungEin Beispiel: Beim bereits bekannten VW Golf 2.0TDi mit einem Netto-Listenpreis von 26.256,-€ gewährt der Händler einen Nachlass i.H.v. 13%, es ergibt sich somit ein Kaufpreis i.H.v. 22.874,-€. Der Restwert nach 12 Monaten, zu dem der Händler sich bei Kauf verpflichtet hat, das Fahrzeug zurückzunehmen, beträgt 59,75% des Listenpreises, entsprechend 15.491,-€. Der monatliche Werteverzehr beträgt somit 596,-€. Angenommen, der Hersteller zahlt an den Autovermieter einen Werbekostenzuschuss in Höhe von 10% des Listenpreises, entsprechend 2.625,-€. Mit diesem Betrag kann der Autovermieter den Werteverzehr teilweise kompensieren (nämlich mit 2.625,€/12=219,-€ mtl.), so dass sich ein effektiver monatlicher Werteverzehr i.H.v. rd. 377,€ ergibt. Reduziert der Autovermieter die Haltedauer im obigen Beispiel nun auf sechs Monate, so ergibt sich ohne Berücksichtigung des WKZ ein monatlicher Werteverzehr bei einem Restwert von 75% i.H.v. 522,-€. Berücksichtig man jedoch den WKZ, der sich nun nicht mehr auf 12 Monate, sondern durch die kürzere Haltedauer auf nur noch sechs Monate aufteilt und somit monatlich mit rund 420,-€ zur Subvention des Werteverzehrs zur Verfügung steht, so ergibt sich bei einer Haltedauer von sechs Monaten ein effektiver Werteverzehr von nur noch 102,-€ pro Monat. Hinsichtlich der kostenoptimalen Haltedauer ist also festzuhalten, dass bei einer hohen durch den Hersteller gewährten WKZ-Zahlung eine möglichst kurze Haltedauer anzustreben ist: Der WKZ verteilt sich kalkulatorisch auf weniger Monate. Tatsächlich ist es so, dass bei einer Haltedauer von beispielsweise nur einem Monat der WKZ den Werteverzehr sogar überkompensieren kann, die Haltekosten (natürlich nach wie vor ohne Berücksichtigung weitere Parameter) sogar negativ werden. In solchen Fällen kann es also sinnvoll sein, die Fahrzeuge binnen Monatsfrist wieder an den Händler zurückzuliefern und mit den dann neuen Anschlussfahrzeugen abermals den WKZ vom Hersteller zu erwirtschaften. Dies ist in der Vergangenheit auch des Öfteren vorgekommen, teilweise auch mit Wissen der Hersteller selbst vor dem Hintergrund der Stürzung von Zulassungszahlen durch Autovermieterzulassungen.11 Mittlerweile sind an die Gewährung eines WKZ durch die Hersteller im Allgemeinen verschiedene Bedingungen geknüpft, beispielsweise: 11 Ähnliches geschieht im Übrigen auch durch sogenannte und besonders bezuschusste Tageszulassungen der Händler selbst. Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 12 • • • • Zulassung als Selbstfahrervermietfahrzeug (Um reine Leasinggesellschaften von dieser Förderung auszuschließen) Häufig keine Langzeitvermietung erlaubt (Um wiederum das herstellereigene Leasinggeschäft nicht der Substitutionsgefahr durch Mietwagen auszusetzen) Mindesthaltedauer durch den Autovermieter Mindestkilometerleistung innerhalb der Laufzeit. Insbesondere die Regelung hinsichtlich der Mindesthaltedauer, bzw. indirekt Mindestkilometerleistung beschränkt die Haltedauer auf einen bestimmten Mindestwert und schränkt das Variationsspektrum der Haltedauer empfindlich ein. So ist es für den Autovermieter eben nicht mehr möglich, die Fahrzeuge kurz nach Einsteuerung in die Flotte bereits wieder an den liefernden Händler zurückzuverkaufen. 2.3. Finanzierungskosten Die durch die Autovermietung erworbenen Fahrzeuge müssen finanziert werden. Geschieht dies durch die klassische Bankfinanzierung, so ist hier der entsprechende Bankzins anzusetzen, werden die Fahrzeuge aus dem Eigenkapital finanziert, so ist zumindest im Sinne der Opportunitätskosten der entgangenen Haben-Zinssatz zu veranschlagen. Auch wenn die Finanzierung der Fahrzeuge mittels einer Leasinggesellschaft erfolgt, so fallen auch hier kalkulatorische Zinskosten innerhalb der Leasingrate an, da auch die Leasinggesellschaft wiederum entsprechende Refinanzierungskosten hat und entsprechend weiterbelasten muss. Im Gegensatz zur AfA folgen die Finanzierungskosten jedoch einer linearen Funktion, das heißt, die Höhe der Kosten verlaufen proportional zur Haltedauer: Einen Finanzierungszinssatz in Höhe von 7% angenommen, beträgt der zu finanzierende Betrag für den Beispiel-Golf 22.874,-€, nämlich 26.256,-€ Listenpreis abzüglich des bereits auf der Kaufrechnung des Händlers ausgewiesenen Nachlasses von 13%. Die Kosten einer eventuell notwendigen Zwischenfinanzierung der Umsatzsteuer seien hier vernachlässigt. Somit ergeben sich Zinskosten von jährlich rund 1.601,-€ oder monatlich 143,43€. 2.4. Kraftfahrzeugsteuer Gleiches gilt für die KFZ-Steuer, auch diese folgt in der zeitlichen Betrachtung einer weitestgehend linearen Funktion. Da die KFZ-Steuer in Normalfall für ein Jahr im Voraus veranschlagt wird, erfolgt die Rückerstattung bei einer kürzen Haltedauer mittels entsprechender Rückvergütung. Obwohl diese in Einzelfällen durchaus mit einer empfindlichen Verzögerung erfolgen kann, ist der möglicherweise entstehende Zinsschaden im Regelfall zu vernachlässigen. Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 13 2.5. Zulassungskosten Bei den Kosten der Zulassung handelt es sich um einmalige Kosten, die pro Zulassung, bzw. Abmeldung eines Fahrzeuges anfallen, und die komplett unabhängig von der Haltedauer des jeweiligen Fahrzeuges sind. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass sich die Kosten pro Periode –also hier Monat – mit zunehmender Haltedauer reduzieren: Summe Zulassungskosten dividiert durch Anzahl Monate Haltedauer = Kosten der Zulassung pro Monat. Gleiches gilt im Übrigen für die Überführungskosten des Händlers, bzw. Herstellers, sofern diese nicht mit in den Rückkaufpreis eingehen: Auch hier reduzieren sich die monatlichen Kosten linear mit der zunehmenden Haltedauer. 2.6. Kosten der Ein- und Aussteuerung Erheblichen Anteil an den Haltekosten eines Autovermieters haben die Aufwendungen der Ein- und Aussteuerung. Hierunter seien im Rahmen einer Prozesskostenbetrachtung all diejenigen Kosten verstanden, die im Zusammenhang mit der Übernahme des Fahrzeuges in die, bzw. Aussteuerung aus der Vermietflotte entstehen. Dies können sein: • • • Transportkosten vom Händler in die jeweilige Vermietstation, bzw. am Ende der Laufzeit in die entgegen gesetzte Richtung. Aufbereitung der Fahrzeuge für die Vermietung: o Ausrüsten mit Werbematerialien o Fahrzeugmappen o Beschriftungen o Ggf. Warnddreieck / Verbandkasten o Anpassung an die Vorschriften der Berufsgenossenschaften Anlage der Fahrzeuge in den jeweiligen Vermiet-EDV-Lösungen Neben den direkt zuzuordnenden Kosten sind hierbei insbesondere auch die Zeitaufwendungen zu berücksichtigen, die die oben genannten Prozesse in Anspruch nehmen und in denen das Fahrzeug zwar bereits Kosten verursacht (beispielsweise AfA, Zins, Versicherung, KFZ-Steuer) aber noch nicht für die Vermietung und somit für die Realisation von Umsatzerlösen verfügbar ist. Veranschlagt man für die Ein- und Aussteuerung jeweils nur fünf Tage, so summiert sich der Aufwand bei einer angenommen Laufzeit von sechs Monaten bereits auf rund fünf Prozent der Gesamtkosten, denen keine entsprechenden Umsatzerlöse entgegen stehen. Analog zu den Zulassungskosten handelt es sich bei diesen Aufwendungen im Normalfall um einmalige Kosten, wodurch auch hier gilt, dass die Kosten pro Monat mit steigender Haltedauer entsprechend proportional sinken. Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 14 2.7. Versicherung Die gesetzlichen Vorschriften für Mietwagen sogenanntes Selbstfahrervermietfahrzeug12. erfordern eine Zulassung als Damit einhergehend sind im Normalfall erheblich höhere Versicherungsprämien sowohl im Haftpflicht als auch im ggf. mit abgedeckten Kasko-Bereich. Hintergrund ist dabei das deutlich höhere Schadenaufkommen durch wechselnde Fahrer. Ebenso wie die Finanzierungskosten und die Kosten der KFZ-Steuer sind die Aufwendungen für die Fahrzeugversicherung unabhängig von der Haltedauer, da sie pro Periode anfallen. 2.8. Wartung Gemäß ihrer Verwendung unterliegen Selbstfahrervermietfahrzeuge einer überdurchschnittlichen Beanspruchen und somit auch einem erheblichen Instandhaltungsaufwand. Dieser teilt sich auf in die Bereiche Service/Pflege und den klassischen Bereich der Wartung in einer externen Werkstatt. 2.8.1. Service/Pflege Dies umfasst die normale, beim Autovermieter vor Ort durchzuführende Kontrolle zwischen den Vermietungen, sowie die jeweilige Fahrzeugreinigung. Da dies in Abhängigkeit von der Vermietintensität/ -häufigkeit geschieht, ist dieser Bereich unabhängig von der Haltedauer. 2.8.2. Wartung in externer Werkstatt In diesen Bereich fallen die durch die jeweiligen Hersteller vorgeschriebenen Wartungen/Inspektionen. Wie bereits geschildert, erfolgt der Bezug von Fahrzeugen durch Autvermietunternehmen nahezu ausschließlich im Rahmen sogenannter BuyBack-Verträge. Neben den reinen Kauf- und Rückkaufkonditionen sind hierin zumeist auch Punkte hinsichtlich der Behandlung von Schäden bei Rückgabe der Fahrzeuge (vgl. nächsten Abschnitt) und der Wartung getroffen. Zumeist wird eine Pauschale für fällige, bzw. überfällige Inspektionen vereinbart, die unter den normalen, werkstattüblichen Sätzen liegt. Für die Betrachtung der kostenoptimalen Haltedauer relevant ist dabei, dass die Fälligkeit eingetreten sein muss, abhängig entweder von festen Wartungsintervallen (zeitlich oder nach Laufleistung) oder zunehmend von der individuellen Fahrzeugnutzung. Die vertraglich vereinbarten Kosten für die Wartung treten also stichpunktgenau in voller Höhe auf. 12 Vergl. MietPkwÜbwV § 2 Absatz 1 Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 15 Geht man von einer durchschnittlichen Fälligkeit nach 20.oookm Laufleistung aus und berücksichtigt eine durchschnittliche monatliche Fahrleistung von 3.800km,13 so ergibt sich eine Nutzungsdauer zwischen notwendigen und somit kostenverursachenden Inspektionen von 5,2 Monaten aus. Setzt man die Inspektionskosten mit rund 250,-€ an, so ergibt sich folgender Kostenverlauf pro Monat bei unterschiedlichen Haltedauern ( 0 bis 40 Monate): Abbildung 3: Kalkulatorische Inspektionskosten pro Monat Dabei ist auffallend, das die Wahl der Haltedauer insbesondere bei kürzeren Laufzeiten erheblichen Einfluss auf die Höhe der monatlich zu kalkulierenden Wartungskosten ausübt. Kalkulatorische Inspektionskosten pro Monat 50,00 € 45,00 € 40,00 € 35,00 € 30,00 € 25,00 € 20,00 € 1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 29 31 33 35 37 39 Laufzeit in Monaten Ähnlich verhält es sich im Übrigen auch mit gesetzliche begründeten Wartungen und/oder Prüfungen, beispielsweise der bei Selbstfahrervermietfahrzeugen jährlich durchzuführenden Hauptuntersuchung14 oder - insbesondere im Nutzfahrzeugbereich - die Vorschriften der Unfallverhütung15. Für die kostenoptimale Haltedauer, also den optimalen Zeitpunkt zur Aussteuerung ist also der Monat zu wählen, an dem die auf die Monate umgelegten Inspektions- und Wartungskosten ein jeweiliges Minimum erreichen. 2.9. Reifen Im Zuge der seit zwei Jahren deutlich verstärkten Diskussion zum Thema Winterreifen ist davon auszugehen, dass die Autovermietunternehmen zukünftig noch weiter 13 Interview mit dem ehem. Geschäftsführer des Bundesverbandes der Autovermieter (BAV); Herrn Langmann-Keller am 02.04.2008 in Düsseldorf 14 vergl. Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung, Anlage VIII (§ 29 Abs. 2ff.) 15 vergl. Unfallverhütungsvorschrift BGV D 29 (früher VGB 12) Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 16 zunehmend ihren Fuhrpark auf eine wintertaugliche Bereifung in der entsprechenden Witterungszeit werden umstellen müssen. Auch wenn der Gesetzgeber sich nicht abschließend und vollumfassend zur Frage der genauen Definition einer solchen Bereifung geäußert hat, zeigen die Erfahrungen des Marktes schon jetzt, dass sogenannte Ganzjahresreifen zunehmen weniger Akzeptanz beim Kunden finden, dieser vielmehr zunehmend auf „echte“ Winterreifen besteht. Ist es aktuell noch so, dass die Autovermieter diese Kosten durch höhere Mietpreise. Bzw. Aufschläge (über-)kompensieren können –und somit die Position in dieser Arbeit hinsichtlich der monatlichen Haltekosten neutral wäre -, so ist zu vermuten, dass der Wettbewerb dazu führt, dass mittelfristig solche Aufschläge nicht mehr zu realisieren sind16 und somit in die Betrachtung mit einfließen müssen. Lässt sich bei kurzen Laufzeiten die Ein- und Aussteuerung von Fahrzeugen noch so disponieren, dass Fahrzeuge direkt vom Händler witterungsgemäß bereift geordert werden, so machen Laufzeiten von spätestens mehr als 10 Monaten einen Wechsel innerhalb der Haltedauer notwendig. Hierbei sind neben den durch technische Entwicklungen immer mehr ansteigenden Bereifungspreisen (bspw. Höhere Geschwindigkeiten, verbindlich vorgeschriebene Leichtmetallfelgen statt günstigerer Stahlfelgen) auch die Kosten der Lagerhaltung, der Umrüstung (Montage und Ausfallzeiten), etc. zu berücksichtigen. Diese Aufwendungen summieren sich insbesondere bei hochwertigen Fahrzeugen leicht auf einen vierstelligen Betrag, so dass es sinnvoll sein kann, Fahrzeuge frühzeitig auszusteuern, um die Notwendigkeit einer Umrüstung zu umgehen. Doch auch bei der normalen Fahrbereifung gilt dieselbe Systematik wie bei den im vorherigen Kapitel beschriebenen Inspektion- und Wartungskosten: Auch hier sehen die vertraglichen Regelungen im Normalfall Mindeststandards für den Reifenzustand bei Rückgabe vor, sind diese unterschritten, erfolgt eine komplette Belastung an den Autovermieter, sind diese Mindeststandards noch nicht erreicht, erfolgt entsprechend keine Belastung. Für die Betrachtung der unter Kostengesichtspunkten optimalen Haltedauer ist als für die Aussteuerung der Zeitpunkt zu präferieren, zu dem die Kosten für die Bereifung pro Monat minimal sind. Das ist entweder der Zeitpunkt vor dem ersten notwendigen Wechsel oder vor den jeweils nächstfälligen Wechseln. 16 Interview mit dem ehem. Geschäftsführer des Bundesverbandes der Autovermieter (BAV); Herrn Langmann-Keller am 02.04.2008 in Düsseldorf Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 17 2.10. Schadeninstandsetzung Gemeint ist hier der Instandsetzungsaufwand vor, bzw. nach Rückgabe, da sich Schäden innerhalb der Laufzeit der Beeinflussbarkeit entziehen und nicht gezielt steuerbar sind. Auch wenn Autovermietunternehmen im Interesse einer kostengünstigen und auch prozesskostenoptimierten Abwicklung mit dem liefernden Händler/Hersteller verschiedene Bewertungs- und Abrechnungsmodalitäten vereinbart haben, die die durchschnittlichen Instandsetzungsaufwendungen minimieren sollen, stellen diese nach wie vor einen erheblichen Aufwand dar und müssen deshalb bei der Betrachtung der optimalen Haltedauer mit einbezogen werden. Nachfolgende Grafik zeigt die gemittelten Rückgabeschäden von PKW eines großen Autovermieters umgelegt pro Monat in Abhängigkeit von der Laufzeit in Monaten.17 Schäden PKW pro Monat 70,00 € 60,00 € 50,00 € 40,00 € 30,00 € 20,00 € 10,00 € - € 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 Abbildung 4: Schadenverlauf PKW pro Monat Es fällt auf, dass die durchschnittliche Schadenhöhe dividiert durch die Laufzeit in Monaten – also die Schäden pro Monat Laufzeit – kontinuierlich fallen und nicht linear verlaufen. Es ist also nicht so, dass ein PKW mit doppelter Laufzeit auch doppelte Schäden bei Rückgabe verursacht. Durch Verbundreparaturmöglichkeiten, etc. werden offensichtlich mehrere vorhandene Beschädigungen bei längerer Laufzeit gemeinsam kostengünstig instand gesetzt. 17 Berücksichtigt sind insgesamt 6258 Selbstfahrer-Vermiet-PKW-Fahrzeuge der EUROPA SERVICE Autovermietung AG, Solingen mit Laufzeiten zwischen 1 und 34 Monaten. Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 18 Vor diesem Hintergrund ergibt sich als hinsichtlich einer kostenoptimierten Laufzeit eine relativ lange Haltedauer. 2.11. Zusammenfassung der Bestandteile der Fahrzeughaltekosten Zusammengefasst lassen sich die vorhergehend erläuterten Positionen in vier Kategorien gemäß nachfolgend aufgeführter Tabelle unterscheiden Tabelle 4: Einorderung Kostenarten Kosten mit linearfallendem Verlauf Kosten mit degressiv-fallendem Verlauf Kosten mit linearkostantem Verlauf Kosten mit sprungfixem Verlauf Zulassungskosten AfA Finanzierungskosten Inspektionen/ Wartung Kosten der Ein- und Aussteuerung Schadeninstandsetzung Versicherung Reifen KFZ-Steuer HU /UVV Werbekostenzuschüsse (als negative Kosten) Fahrzeugpflege Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 19 3. Ermittlung der kostenoptimalen Haltedauer anhand eines Beispieles Waren die vorhergehenden Ausführung abstrakt im Sinne von nicht auf konkreten Werten beruhenden Betrachtungen, wird im folgenden anhand des schon mehrmals als Beispiel herangezogenen Fahrzeuges VW Golf ein konkreter, unter Kostengesichtspunkten optimaler Aussteuerungszeitpunkt ermittelt. Um eine entsprechende Auswertungen vornehmen zu können, sind in dieser Arbeit bestimmte Grundannahmen festzulegen, die sich in der Praxis aus den jeweiligen Werten des Autovermietunternehmens und seiner Kostenstruktur ergeben und individuell bestimmt werden müssen. Fahrzeugtyp: VW Golf 2.0 TDi Listenpreis netto: Nachlass: Kaufpreis netto: Finanzierungssatz: WKZ-Unterstützung: Monatliche Laufleistung Wartungsintervall Jährliche KFZ-Steuer: Laufleistung Reifen: Kosten Reifensatz18: Versicherungsprämie mtl: Zulassungskosten: Ein- und Aussteuerungskosten20: Mit dem Händler zu vereinbarende AfA-Werte in % des Listenpreises:21 26.256,-€ 13% 22.843,-€ 7,5% 10%, entsprechend 2.625,-€ 3.800KM 20.000km 308,-€ 40.000km 620,-€ 65,-€19 60,-€ 173,-€ Laufzeit in Monaten Restwert in % des Neuwagenpreises 6 2,5% 12 2,2% 18 1,8% 24 1,6% 30 1,4% 36 1,3% 18 Inkl. Montage, Lagerung, Entsorgung 19 Haftpflicht inkl. TK/VK, branchenüblich als Stückprämie motorisierungsunabhängig. 20 Angenommen je 4 Tage mit einem Kostensatz von 20,33€ für Versicherung, KFZ-Steuer, Transportkosten, Zins, AfA, Aufbereitung, etc. 21 Mietfahrzeuge PKW mit einem Alter von mehr als 36 Monaten sind am Markt nicht einzusetzen, deshalb beschränkt sich die Betrachtung auf einen Zeitraum zwischen 6 und 36 Monaten, vergl. Erläuterung Seite 8 ff. Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 20 Bei einer vertraglich vereinbarten Laufzeit von 6 Monaten ergeben sich demnach folgende monatlichen Haltekosten22: Tabelle 5: Monatliche Haltekosten bei einer Laufzeit von 6 Monaten KP netto 26.256,00 € AfA mtl. 2,5% 656,40 € Zins mtl 7,5% 142,77 € WKZ mtl. 10,0% - 437,60 € Einsteuerung 173,00 € 28,83 € Versicherung 65,00 € 65,00 € KFZ-Steuer 308,00 € 25,67 € Wartung 250,00 € 41,67 € - € - € 210,00 € 35,00 € Reifen Instandsetzung 557,73 € Die nachfolgende Tabelle für dieselbe Berechnung für die Laufzeiten von 12, 18, 24, 30 und 36 Monaten auf: 22 Die Position des WKZ ist als negativer Wert ausgewiesen, um die Funktion der Kompensation des Werteverzehrs aufzuzeigen. Lösungsansätze zur Ermittlung der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für mittelständische Autovermieter Seite 21 Tabelle 6: Haltekosten bei Laufzeiten von 12, 18, 24, 30 und 36 Monaten Laufzeit Monate 12 18 24 30 36 KP netto 26.256 € AfA mtl. 2,2% 577,63 € 1,8% 472,61 € 1,6% 420,10 € 1,4% 367,58 € 1,3% 341,33 € Zins mtl 7,5% 142,77 € 7,5% 142,77 € 7,5% 142,77 € 7,5% 142,77 € 7,5% 142,77 € WKZ mtl. 10,0% -219 € 10,0% -146 € 10,0% -109 € 10,0% -88 € 10,0% -73 € Einsteuerung 173,00 € 14,42 € 173,00 € 9,61 € 173,00 € 7,21 € 173,00 € 5,77 € 173,00 € 4,81 € Versicherung 65,00 € 65,00 € 65,00 € 65,00 € 65,00 € 65,00 € 65,00 € 65,00 € 65,00 € 65,00 € KFZ-Steuer 308,00 € 25,67 € 462,00 € 25,67 € 616,00 € 25,67 € 770,00 € 25,67 € 924,00 € 25,67 € Wartung 500,00 € 83,33 € 750,00 € 41,67 € 1.000,00 € 41,67 € 1.250,00 € 41,67 € 1.500,00 € 41,67 € Reifen 620,00 € 51,67 € 620,00 € 34,44 € 1.240,00 € 51,67 € 1.240,00 € 41,33 € 1.860,00 € 51,67 € Instandsetzung 336,00 € 28,00 € 450,00 € 25,00 € 519,00 € 21,63 € 605,00 € 20,17 € 605,00 € 16,81 € 26.256 € 769,68 € 26.256 € 670,90 € 26.256 € 666,30 € 26.256 € 622,43 € 616,77 € Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 22 Unter der bereits angesprochenen Prämisse, dass Fahrzeuge mit einer Haltedauer von mehr als 24 Monaten vom Kunden nicht angenommen werden, ergibt sich im vorliegenden Beispiel als Optimum eine Laufzeit von 6 Monaten, da hier die monatlichen Haltekosten unter Berücksichtigung der erwähnten Parameter am niedrigsten sind: Haltekosten pro Monat 800 € 750 € 700 € 650 € 600 € 550 € 500 € 6 12 18 24 30 36 Laufzeit in Monaten Abbildung 5: Übersicht monatliche Haltekosten Bedingt ist dieser Verlauf im vorliegenden Beispiel insbesondere durch die mit 10% hohe WKZ-Unterstützung, die den monatlichen Werteverzehr kompensiert.Vor diesem Hintergrund wäre theoretisch eine noch kürzere Haltedauer anzustreben, dies ist jedoch durch die bereits erwähnten Bedingungen der Hersteller, die diese an die Gewährung eines WKZ knüpfen, nicht möglich. Gäbe es keine oder eine deutlich niedrigere WKZ-Unterstützung, so ist zu vermuten, dass sich die optimale Haltedauer deutlich verlängert, da hier die Verteilung der Einmalkosten auf eine zunehmende Zahl von Monaten und somit die Reduzierung der umgelegten Fixkosten pro Monat zum Tragen kommt. Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 23 4. Fazit Es ist deutlich geworden, dass die monatlichen Haltekosten erheblich von der Haltedauer beeinflusst werden und dass diese somit einen wichtigen Einfluss auf die Gewinnmaximierung des Autovermietunternehmens hat. Auch wenn die beeinflussenden Faktoren beim Großteil der in der Autovermietung eingesetzten Modelle identisch sind, so unterscheiden sie sich deutlich in ihrer jeweiligen Höhe und gegenseitigen Beeinflussung. Deshalb ist auch keine pauschale und dabei zutreffende Aussage über eine unter Kostengesichtspunkten optimale Haltedauer zu treffen, vielmehr ist klar geworden, dass die Bestimmung der Haltedauer individuell für jedes Fahrzeug im Vorfeld vorzunehmen ist. Auch wenn sich bestimmte Grundregeln erkennen lassen, wie beispielsweise die Aussage: „Je höher der WKZ, desto kürzer die optimale Haltedauer“, so kann auf die Einzelbetrachtung und –bewertung nicht verzichtet werden, da fehlerhafte Analysen und somit nicht-kostenoptimale Laufzeiten eine drastische Erhöhung der monatlichen Haltekosten zur Folge haben können und die Wertbewerbsfähigkeit des betroffenen Autovermietunternehmens in existenzieller Höhe beeinflussen können. Insbesondere in klein- und mittelständischen Autovermietungen hat sich diese Erkenntnis und damit einhergehend auch die Fähigkeit hierzu noch nicht auf breiter Front durchgesetzt, hier erfolgt die Entscheidung über die Haltedauer häufig wenig kostenorientiert, sondern aufgrund anderer Faktoren (Vermeintlich fundierter Erfahrungswerte, aktuelle Auslastungssituation, Rücksichtnahme auf Wünsche des liefernden und rücknehmenden Händlers, u.a.) Vor dem Hintergrund wettbewerbsbedingt sinkender Margen gewinnt die Kostenoptimierung jedoch immer mehr an Bedeutung; nur diejenigen Autovermietunternehmen, die hierzu sowohl das Know-How als auch die Bereitschaft aufbringen, werden zukünftig erfolgreich am Markt teilnehmen können. Erschwerend kommt für eine große Zahl der klein- und mittelständischen Autovermietunternehmen dabei hinzu, dass bei ihnen häufig die organisatorischen Voraussetzungen für eine entsprechende Analyse noch nicht vorhanden sind, so ist das –soweit vorhanden – Finanz- und Fuhrpark-Controlling dieser Autovermieter meist nicht in der Lage, auswertbare Daten beispielsweise über durchschnittliche Schadenhöhen bei Fahrzeugrückgaben, etc. zu ermitteln. Ziel kann es für diese Unternehmen also nur sein, sich in einem mehrstufigen Prozess sich bei der Fuhrparkplanung und somit der Festlegung der Laufzeiten strikt der Kostenoptimierung zu nähern. Die vorliegende Arbeit versetzt sie hierzu bei einer Adaptierung der Aussagen und Erkenntnisse auf das eigenen Unternehmen in die Lage, dies zu erreichen. Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 24 III. Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen AfA BAV BG etc. i.H.v. KH HU KFZ km MietPkwÜbwV mtl. StVZO usw. TK UEG UVV VK WKZ VW z.B. Abschreibung für Abnutzung Bundesverband der Autovermieter Berufsgenossenschaft et cetera in Höhe von Kraftfahrthaftpfichtverischerung Hauptuntersuchung Kraftfahrzeug Kilometer Verordnung über die Überwachung von gewerbsmäßig an Selbstfahrer zu vermietenden Kraftfahrzeugen und Anhängern Monatlich Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung und so weiter Teilkaskoversicherung Unfallersatzgeschäft Unfallverhütungsvorschriften Vollkaskoversicherung Werbekostenzuschuss Volkswagen zum Beispiel Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 25 IV. Quellennachweis /Literaturverzeichnis: Experteninterviews mit: K. Langmann-Keller, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Autovermieter Dtld. E.V., 02.04.2008, Düsseldorf M. Arndt Geschäftsführer ARS Arndt Autovermietung, 08.04.2008, Düsseldorf F. Thies Geschäftsführer CARO Autovermietung, 04.04.2008, Bremen Y. Ern Leiterin Fahrzeugeinkauf EUROPA SERVICE Auovermietung AG, 08.04.2008, Solingen Schoppe, Siegfried G.: Kompendium der internationalen Betriebswirtschaftslehre, 4. Aufl., München; Wien; Oldenbourg, 1998 Wöhe, Günther: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 22. Auflage, München, 2005 Engel, Johanna: Handbuch Kraftfahrzeug-Leasing, 2. Aufl., München, 2004 Weinmann, Norbert: Praktiker-Handbuch Erbschaftsteuer, Grunderwerbsteuer, Kraftfahrzeugsteuer, andere Verkehrsteuern 2007 Bewertungsgesetz, 11. Aufl., Düsseldorf, 2007 Hellwich, Peter: Fuhrparkverwaltung für Pkw - praxisnahes Flottenmanagement, 1. Aufl., Stuttgart, 2001 Lösungsansätze zur Ermittlung mittelständische Autovermieter der kostenoptimalen Fuhrparkhaltedauer für Seite 26 V. Erklärung Hiermit versichere ich, die vorliegende Abschlussklausur selbst verfasst und keine unzulässigen Quellen und/oder Hilfsmittel verwendet zu haben, Solingen, den 11.05.2008 Markus Hoff
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