Leitfaden für eine geschlechtergerechte Sprache für Studierende der Kalaidos Fachhochschule Fachstelle Diversity und Inklusion Version: 2.0 Ausgabe: Juni 2021 Leitfaden für eine geschlechtergerechte Sprache Seite 1 (von 7) 1 Ziel und Auftrag Die Gleichstellung der Geschlechter ist in der Bundesverfassung verankert.1 Das hat auch Folgen für die Fachhochschulen, denn das SBFI schreibt vor, dass Chancengleichheit als Qualitätskriterium in den Strategien der Fachhochschulen zu verankern und umzusetzen ist.2 Von Swissuniversities wurden in Sachen Gleichstellungsarbeit Standards für die Akkreditierung von Fachhochschulen gesetzt (Akkreditierungsverordnung HFKG Art. 22 Abs. 1 Anhang 1). 3 Die Fachhochschulen haben bei der Erfüllung ihrer Aufgaben für die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter zu sorgen. Zur Umsetzung ihrer Gleichstellungspolitik setzen sich die Fachhochschulen entsprechende Ziele, entwickeln Massnahmen und überprüfen deren Wirkung. Die Kalaidos Fachhochschule sieht die Gleichbehandlung der Geschlechter schon seit jeher als absolut selbstverständlich an. Sie hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, nach innen und aussen geschlechtergerecht aufzutreten. Dazu werden Lehrinhalte geschlechtergerecht gestaltet und vermittelt und Dokumente (Prüfungsreglemente, Lehrpläne, Verträge, Leistungsausweise usw.) sowie die Korrespondenz (Briefe, Mails usw.) geschlechtergerecht formuliert. Was «geschlechtergerecht» bedeutet, ist Wandel unterworfen. Der vorliegende, regelmässig aktualisierte Leitfaden weist auf diesen Wandel hin und zeigt Möglichkeiten und Usanzen zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch auf. 2 Gesellschaftliche Veränderungen finden Niederschlag im Sprachgebrauch Unsere Gesellschaft verändert sich, und mit ihr der Sprachgebrauch. Neue sprachliche Formulierungen, die auch Geschlechtsidentitäten ausserhalb der Einteilung in Männer und Frauen inkludieren (z. B. nonbinär, transgender), haben bei vielen Personen Eingang in den Sprachgebrauch gefunden. Dies spiegelt den zunehmenden Wunsch nach einer Sichtbarmachung der Geschlechtervielfalt auch in der Sprache wieder. Die Kalaidos FH anerkennt diesen Wunsch und ist bestrebt, in ihrem Sprachgebrauch keine Geschlechtsidentitäten gegenüber anderen zu bevorzugen. Eine vorgeschlagene Möglichkeit zur Vermeidung von Bevorzugung von Geschlechtsidentitäten besteht im Gendern, also einem Sprachgebrauch, der sich insbesondere durch eine Vermeidung der Nennung von binären Geschlechtsidentitäten auszeichnet, oder – wo dies nicht sinnvoll oder grammatikalisch noch nicht möglich ist – durch eine abwechselnde, ausgewogene Nennung von Geschlechtsbezeichnungen. Unter Psycholinguisten und Genderforscherinnen besteht wissenschaftlich noch kein Konsens, ob die Verwendung des generischen Maskulinums zur Diskriminierung von Geschlechtsidentitäten beiträgt. Die Kalaidos FH nimmt diese Debatte zur Kenntnis, respektiert aber diverse Sichtweisen auf die Problematik und diskriminiert keine der möglichen Positionen. Unter der Massgabe der an der Kalaidos FH hochgehaltenen Werte von Inklusion und Diversität pflegt und empfiehlt sie jedoch einen Sprachgebrauch, der auf die gestiegenen Sensibilitäten gegenüber einer möglichen sprachlich bedingten Ungleichbehandlung vielfältiger Geschlechtsidentitäten Rücksicht nimmt. Wie dies geschehen kann, wird im folgenden Abschnitt dargelegt. 1 BV, Art. 8 Abs. 3. Chancengleichheit von Frau und Mann https://www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/home/hs/hochschulen/hochschulpolitischethemen/chancengleichheit-von-frau-und-mann.html 3 Verordnung des Hochschulrates über die Akkreditierung im Hochschulbereich https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2015/362/de 2 Leitfaden für eine geschlechtergerechte Sprache Seite 2 (von 7) 3 Möglichkeiten für einen vielfältigen Sprachgebrauch Gendern ist Übungssache; schnell gewöhnt man sich daran. Wer gendern möchte, ohne dass Textfluss und Lesbarkeit zu sehr leiden, kann sich an den nachfolgend aufgezeigten Möglichkeiten orientieren. Studierenden sollen Ideen und sprachliche Varianten für geschlechtergerechtes Formulieren aufgezeigt werden. Es wird dabei keine einzelne Sprachregelung als einzig richtige vorgeschrieben, sondern für einen vielfältigen und bewussten Umgang mit unterschiedlichen Formulierungen plädiert. Texte, die das generische Maskulinum verwenden, werden von vielen Menschen als nicht geschlechtergerecht empfunden. Eine Anmerkung im Text, dass aus Gründen der Lesbarkeit nur die männliche Form verwendet werde, andere Geschlechter aber mitgemeint seien, erfüllt nach dieser Auffassung die Anforderungen an geschlechtergerechtes Formulieren nicht. Es gibt allerdings auch die gegenteilige Auffassung, dass das generische Maskulin keine Diskriminierung anderer Geschlechter sei. Wissenschaftlich betrachtet gibt es für beide Auffassungen Argumente, so dass sich der geschlechtergerechte Sprachgebrauch zurzeit als Frage der persönlichen Einstellung und der Weltanschauung darstellt. Die Kalaidos FH empfiehlt, dass sich Studierende der gesteigerten Sensibilität beim geschlechtergerechten Sprachgebrauch bewusst sind und ihren Sprachgebrauch entsprechend reflektieren – und gegebenenfalls anpassen. Vor diesem Hintergrund werden im Folgenden Empfehlungen und Möglichkeiten aufgezeigt. Diese erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern sollen Hilfestellung und Inspiration bieten. Doppelnennung Vollständige Paarformen Doppelformen oder „Beidnennungen“ / Paarformen: Weibliche und männliche Wortform verbunden mit einer Konjunktion («und», «sowie», «beziehungsweise», «oder») Bsp. ▪ ▪ ▪ alle Dozentinnen und Dozenten Eingeladen sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Studenten bzw. Studentinnen Anwendung: Vollständige Paarformen sind sowohl für die schriftliche als auch mündliche Kommunikation (Referate, Vorlesungen) sinnvoll, wenn Frauen und Männer gemeint sind. Kurzformen Vollständige Paarformen mit Schrägstrich Bsp. ▪ ▪ Liebe Studentin / Lieber Student des Professors / der Professorin Leitfaden für eine geschlechtergerechte Sprache Seite 3 (von 7) Anwendung: Für kurz zu haltende Texte wie Formulare und Fragebögen kann die Version mit Schrägstrich bevorzugt verwendet werden. Binnen-I Bsp. ▪ ▪ die StudentInnen die VertreterInnen der DozentInnen Anwendung: Wenn das Weglassen der Endung («In» bzw. «Innen») zu grammatikalisch unkorrekten Wortformen führt, empfiehlt es sich, die vollständige Paarform zu verwenden. Gender-Gap Ein Unterstrich zwischen der männlichen und weiblichen Form analog zum Binnen-I dient als Platzhalter für alle sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten. Bsp. ▪ ▪ die Dozent_innen die Forscher_innen Anwendung: Diese Form kann wie das Binnen-I ausgesprochen werden, indem beim Unterstrich eine kurze Pause gemacht wird. Gender-Sternchen Anstelle des Unterstriches oder Binnen-I wird das Zeichen «*» zwischen der männlichen Wortform und der weiblichen Endung verwendet. Bsp. ▪ ▪ die Mitarbeiter*innen die Student*innen Anwendung: Das Gender-Sternchen wird wie Gender-Gap und Binnen-I mit einer kurzen Pause ausgesprochen. Gender-Sternchen und Gender-Gap machen die Geschlechtervielfalt jenseits des MannFrau-Schemas sichtbar und beziehen auch Zwischengeschlechtlichkeit und Transidentitäten mit ein. Gender-Doppelpunkt Als dritte Möglichkeit zur Sichtbarmachung der Geschlechtervielfalt, kann ein Doppelpunkt verwendet werden. Bsp. ▪ ▪ die Schüler:innen die Mitarbeiter:innen Anwendung: Der Doppelpunkt wird analog zum Gender-Sternchen oder Gender-Gap verwendet. Leitfaden für eine geschlechtergerechte Sprache Seite 4 (von 7) Früher gebräuchliche Formen Schrägstrich innerhalb der Wortformen Bsp. ▪ ▪ der/die Student/in die Dozent/innen Anwendung: An dieser Form wird die sprachliche Umständlichkeit, die Beeinträchtigung der Lesbarkeit und die weibliche Form als Anhängsel kritisiert. Einklammerung Bsp. ▪ Lehrer(innen) Anwendung: Diese Form gilt ebenfalls als veraltet, da die weibliche Form visuell und sprachlich sekundär erscheint, und wird daher nicht empfohlen. Neutralisierung Pluralformen Häufig kann auf geschlechtsneutrale Pluralformen ausgewichen werden: Bsp. ▪ ▪ ▪ die Studierenden die Dozierenden die Doktorierenden Umschreibungen (Institutions- und Kollektivbezeichnungen) Da es im Deutschen kaum neutrale Personenbezeichnungen gibt, kann auf Umschreibungen ausgewichen werden. ▪ Die Studienleitung (anstatt die Studienleiter) ▪ die Fachhochschulleitung ▪ das Rektorat ▪ Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Prüfungssekretariats erarbeiten neue Richtlinien für den Prüfungsprozess. Im Prüfungssekretariat werden die neuen Richtlinien für den Prüfungsprozess erarbeitet. ▪ Benutzerinnen und Benutzer des Pausenraums sind angehalten, den Raum sauber zu hinterlassen. Bitte beachten Sie folgenden Hinweis: Hinterlassen Sie den Pausenraum sauber. Leitfaden für eine geschlechtergerechte Sprache Seite 5 (von 7) Möglichkeit: Umschreibungen mit „wer“, „alle, die“, „diejenigen, die“ usw. Oft klingt es weniger umständlich, wenn Doppelformen umschrieben werden. Bsp. ▪ ▪ Studentinnen oder Studenten, welche die Masterarbeit verschieben wollen, … Diejenigen, welche die Masterarbeit verschieben wollen, … Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Forums müssen selbst um die Unterschriften besorgt sein. Wer am Forum teilnimmt, … Umformulierungen mit Passiv Umformulierungen mit der Passivform erlauben es, vom Geschlecht zu abstrahieren: ▪ Die Legitimationskarte wird in der ersten Studienwoche verteilt. ▪ Die Semesterarbeiten müssen bis zum xx.xx. abgegeben werden. Umformulierungen mit Infinitiv Personenbezeichnungen können ebenfalls umgangen werden, indem die Infintivform verwendet wird. ▪ Die Masterarbeit ist in 3 Exemplaren einzureichen. ▪ Wir bitten Sie, das Formular bis nächste Woche auszufüllen. ▪ Es wird gebeten, das Zimmer sauber zu hinterlassen. - Klassenzimmer bitte sauber hinterlassen! Bei zusammengesetzten Wörtern Mitarbeitergespräch Qualifikationsgespräch; Beurteilungsgespräch Dozentenzimmer Pausenzimmer; Teamzimmer Neutralisieren Zuweilen ist es möglich, neutrale Personenbezeichnungen einzusetzen. Bsp. ▪ Personen ▪ Mitglieder Angaben in Dokumenten und Grussformen Durch die direkte Anrede oder durch das Partizip Perfekt können Personenbezeichnungen neutralisiert werden: ▪ Name des Antragstellers (Ihr) Name ▪ Unterschrift des Dozenten (Ihre) Unterschrift ▪ Verfasser verfasst von ▪ Vertreter vertreten durch ▪ Herr / Frau / Liebe / Lieber Guten Tag / Hallo Leitfaden für eine geschlechtergerechte Sprache Seite 6 (von 7) Achten Sie auf sprachliche Korrektheit! Im Deutschen müssen die Bezugswörter mit dem grammatikalischen Geschlecht des Nomens übereinstimmen. Die Dozentin ist ▪ Referentin einer Masterarbeit. ▪ Expertin in Rechtsfragen. Das gilt auch im Plural. Quellen und weiterführende Informationen: Abteilung für Gleichstellung, Universität Bern. (Hrsg.). (2017). Geschlechtergerechte Sprache. Verfügbar unter https://www.unibe.ch/unibe/portal/content/e809/e810/e812/e824/e826/e17401/e554561/e554562/2017Gend ergerechteSprache_Auflage2_f.Web_ger.pdf Fichter, C. (2021). Soll ich gendern? Tages-Anzeiger Job Coach. PDF Verfügbar unter https://www.kalaidosfh.ch/-/media/KFH2019/Dokumente/Forschung/Fachbereich-Wirtschaft/Kalaidos-Research/Soll-ichgendern.pdf?la=de-CH&hash=E2506F7D3B011A1EE0DDF60FFB0BF42BE4A9549A Menz, M. & Sorge, K. (n.d.). Geschlechtergerechte Sprache an der PH Schwäbisch Gmünd: Ein Leitfaden. Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, University of Education. Verfügbar unter https://www.phgmuend.de/fileadmin/redakteure/phhauptseite/redakteure/daten/download/einrichtungen/buero_gleichstellung_familie/BR_Geschlechtergerecht e_Sprache_bf.pdf queer*z (2019). Leitfaden für Hochschulen zum inklusiven Umgang mit allen Geschlechtern. Verfügbar unter https://queerz.ch/leitfaden-fur-hochschulen-zum-inklusiven-umgang-mit-allen-geschlechtern/ Leitfaden für eine geschlechtergerechte Sprache Seite 7 (von 7)
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